Mit "Wolfsegg" verbindet man auch Thomas Bernhard und seinen Roman "Auslöschung". Zufällige Namensgleichheit, oder hat Thomas Bernhard Sie als Autor beeindruckt und beeinflusst? Hat Sie prinzipiell die österreichische Literatur beeinflusst?

Ja, das stimmt, ihm zur Ehre habe ich diesen Namen verwendet. Ich habe Bernhard immer gerne gelesen, aber ich bin nicht sein Schüler. So wie er kann keiner schreiben. Und ja, mich haben immer die Österreicher begeistert und bereichert, die alten und die jungen, etwa Doderer und Seethaler.

Hatten Sie beim Schreiben von "Wolfsegg" bereits die junge Schauspielerin im Kopf, die bei einer Verfilmung des Romans die Hauptrolle spielen könnte?

Nein. Keine Schauspielerphantasien. Das sind zwei vollkommen verschiedene Handwerke. Beim Schreiben denke ich nicht an Film oder Verfilmung. Das kann - ich betone: kann - entstehen, wenn das Buch schon länger auf dem Tisch des Buchhändlers liegt und die Mediennachfrage nachlässt - dann kann ich über Verfilmung nachdenken.

Sie sind sowohl bei Film- als auch Romanstoffen vor allem an den menschlichen Abgründen interessiert?

Das ist naheliegend. Der Widerspruch im Menschen, seine guten wie bösen Seiten machen ihn lebendig und nachvollziehbar. Und spannend. Die Monotonie eines menschlichen Charakters wäre sehr langweilig.

Was hilft dabei, bei einer Handlung für Spannung zu sorgen?

Den Zuschauer auf eine falsche Fährte zu führen, hilft immer. Vor allem auf der Charakterebene. Ach so!, aber ich dachte, dass er/sie . . . der/die ist ja richtig widerlich, aber vorhin war er/sie doch nicht . . .

Christoph Waltz spielte in fünf Ihrer Verfilmungen wichtige Rollen, zum Beispiel Roy Black in "Du bist nicht allein". Fast könnte man sagen, Sie sind sein Entdecker . . .

Ich bin nicht Christoph Waltzs Entdecker. Er hatte schon vorher tolle Filme gedreht, wie "König der letzten Tage" von Tom Tölle. Aber wir hatten das Glück, auf einer unausgesprochenen Ebene übereinzustimmen. Wir müssen bei der Arbeit nicht viel reden - und meinen doch das Gleiche.

Was zeichnet große Schauspieler und Schauspielerinnen aus?

Unauffälligkeit! Schmucklosigkeit! Tarnfarbe! Denn so kann das Dargestellte am meisten brillieren.

Sie selbst haben ebenfalls als Schauspieler gearbeitet. Hilft diese Erfahrung beim Schreiben von Drehbüchern und Romanen?

Ja, es hat mir sehr geholfen. Ich hatte erkannt, dass ich kein Schauspieler bin. Zugleich habe ich viel über Ängste und Ausreden des Schauspielers erfahren, weil ich diese selbst erfahren und praktiziert habe. Manchmal sehe ich das dann bei meiner Arbeit mit Schauspielern - und habe großes Verständnis dafür.