Man kennt sie schon aus den zwei letzten Romanen des Autors, Furth am See, die lauschige Kleinstadt irgendwo im inneren Österreich, mit Stiftskirche, malerischem historischem Ortskern, Touristen und allem, was sonst zu so einem Nest dazugehört. Das "Sonst" sind die Dinge, die eher weniger im Reiseführer stehen, schon weil es sie überall gibt: ein Krankenhaus, eine Polizeistation oder das Jugendzentrum, das eine wahre Blütenlese von Verhaltensauffälligen beherbergt und dem die missgünstige Stadtverwaltung gerade die Subventionen kürzen will, die ohnehin nicht üppig fließen. Das gibt insgesamt ein sehr zahlreiches Personal ab, das im Einzelnen im Blick zu behalten sich als ziemlich anspruchsvoll erweist.

In dieses perfekte Idyll baut Hochgatterer, geradezu liebevoll und fürsorglich, eine verzwickte Krimihandlung ein, und er macht das mit umstandsloser Eleganz, als habe er sein Leben lang nichts anderes getan, als österreichisches Provinzidyll mit einem doppelten Boden zu versehen, unter dem es ganz schön unerfreulich, ja finster zugeht. So zeichnet sich hinter oder unter dem ländlichen Wimmelbild ein anderes ab, nicht minder unübersichtlich und den Bemühungen des zuständigen Kriminalkommissariats nur bedingt zugänglich. Ein früheres Kinderheim spielt darin die Hauptrolle, in dem es einst ziemlich arg zuging und wo heute jugendliche Asylanten kaserniert werden, was auch nicht gerade das Ausbrechen allgemeiner Harmoniegefühle garantiert, zumal man da eine ausgesucht widerwärtige Wachmannschaft engagiert hat. Und dann wird im Ort auch noch ein zehnjähriges Mädchen entführt . . .

Wenn man Krimihandlungen mag, die am Ende nicht unbedingt glatt aufgehen, wird man diesen Roman mögen - und auch wenn man die Art mag, wie wir Österreicher mit Schwierigkeiten zurande oder eben nicht zurande kommen. Stellvertretend für uns alle agieren da in vorderster Reihe der Psychiater Horn und der Kommissar Kovacs, auch sie dem Leser der früheren Furth-Romane vertraut, nur um einige Jahre älter geworden.