Das Thema ist vertraut: Ein in der Welt der Reichen und Schönen erfolgreicher Mensch, oberflächlich und empathielos, stolpert über das eigene Ego, landet auf der Schnauze und im Nest seiner Kindheit, um dort zu den wahren Werten des Lebens zu finden. Man meint die Schablone längst zu kennen. Der Autor aber macht den Unterschied.

Christopher Wurmdobler, ehemaliger "Falter"-Journalist, hat keine Scheu vor Klischees und vor allem auch keine Hemmungen, diese genüsslich und mit großartigem Sprachwitz zu zerlegen. Wie schon in seinem Debütroman "Solo" (2018) wirft Wurmdobler auch in "Reset" einen schwungvoll-kritischen Blick auf die Gesellschaft.

Karmen Sonntag ist als Talkmasterin mit eigener Abendshow eine Ikone. Allerdings hat sie die 50 schon überschritten, deshalb nimmt der Sender eine verpatzte Moderation zum Anlass, die Journalistin auszurangieren. Trotzig reißt Karmen hinter sich die Brücken nieder, und da trifft es sich gut, dass sie das Haus ihres verstorbenen Vaters räumen muss. So fährt Karmen dorthin, wo sie einst als Tochter des Landarztes die Prinzessin war: in die Provinz.

Es wird eine Konfrontation mit Mädchenträumen und den Wurzeln ihrer Persönlichkeit: "Das Einzige, was Karmen mit ihrer Mutter verbunden hatte, war der Hass auf die Patienten. Gemeinsam hatten sie auf die dummen Dörfler geschimpft, die depperte Kundschaft. Vorneherum waren sie aber stets scheißfreundlich gewesen. Schnell hatte Karmen begriffen, dass man mit dieser Strategie gut fuhr." Die protzige Couch ist unbequem. Der Videorekorder funktioniert noch, er spuckt eine Folge der unvermeidlichen Samstagabendshow aus. Genau zu dieser glitzernden Welt wollte Karmen immer gehören, und sie hat es bis ganz nach oben geschafft. Nur, dass sich das auf einmal hohl anfühlt.

Manchmal mag während des Lesens die Frage auftauchen, wie sich der aus Freiburg im Breisgau stammende Autor da wieder heraushangeln wird: Ob jetzt noch ein großer Coup passiert oder ob die Geschichte ihren unvermeidlichen Lauf nehmen und die geläuterte Protagonistin im Kreis der langweiligen Korrektheit Platz finden wird? Die Lösung sei hier nicht verraten, nur so viel: Nicht nur in den Details und einzelnen Dialogen, auch im Ende der Geschichte beweist Wurmdobler Originalität.

Das Buch mit den an das Menü eines Videorecorders angelehnten Kapitelnamen ("Stop", "Fast Forward", "Rewind", "Play") wird sicher nochmals gelesen, einfach, weil’s so großen Spaß macht.