"Es ist verdammt hart, Egyd Gstättner zu sein." - © Bwag/Wikimedia
"Es ist verdammt hart, Egyd Gstättner zu sein." - © Bwag/Wikimedia

Kaum habe ich eines besprochen, knallt Egyd Gstättners nächstes Buch auf meinen Tisch - als habe er beschlossen, die Margaret Atwood der österreichischen Literatur zu werden. Es war dann aber ziemlich lustig, diesen Schlüsselroman des Dichters über sich selber zu lesen.

Zeit der Handlung ist jenes schicksalhafte Jahr der Kärntner Geschichte, als der seinerzeitige Landeshauptmann mit ziemlich viel Promille im Blut und stark überhöhter Geschwindigkeit in seinem Wagen zu Tode kommt. Dem Autor ist damit sein "publizistischer Lieblingsfeind" abhandengekommen, der ihm noch einen in Bausch und Bogen eingekauften Fußballverein vorgesetzt hat, sodass unser Erzähler sich von da an gezwungen sieht, nie wieder ins Stadion zu gehen.

Neben solchen und anderen dramatischen Äußerlichkeiten besteht das Leben des Schriftstellers, außer dass er schreibt, natürlich aus Lesen. "Eine Woche ist das neue Jahr jetzt alt, und ich habe noch nicht einmal onaniert und war noch nie im Internet. Stattdessen lese ich jeden Abend in Adalbert Stifters ‚Nachsommer‘. Wie gut, dass ich das Buch nicht früher im Leben zur Hand genommen habe: Ich hätte es gleich wieder weggelegt. Einem mittelalten, schwerfälligen, unbeweglichen und übergewichtiger werdenden Mann im Ehebett mit einer Religionslehrerin als Gattin aber leistet es keine schlechten Dienste: Eine gleich am Anfang über hundert Seiten ausgebreitete Wettervorhersage samt anschließender Begründung - das beruhigt ganz ungemein!"

Weniger gefällt ihm das regierende österreichische Literaturoberhaupt, der frischegebackene Nobelpreisträger Peter Handke: "Und ich bin wieder ganz ehrlich erschüttert, welchen Käse dieser Mensch schreibt... Nebelsuppe für Nierenkranke im Endstadium!" Ich persönlich bin ja vor sehr vielen Jahren, ich glaube, es war 1985, zu einem vergleichbaren Ergebnis gekommen.

"Mein Leben als Hofnarr" hat vieles, was unsere Kinder, läsen sie Bücher, als "krass" bezeichnen würden, und ist doch zugleich ein durch und durch nettes, ein menschenfreundliches Buch. Das ist schon einmal was.