"Monster"

Dass Handke von "mutmaßlichen Massakerstätten" in Srebrenica geschrieben hat, ließ etwa Susan Sontag vermuten, dass viele seiner Freunde nun Peter Handkes Bücher in Zukunft nicht mehr zur Hand nehmen wollen. Der französische Philosoph Alain Finkielkraut war da schon weniger zurückhaltend und bezeichnete Handke als "ideologisches Monster".

Richtig aufgebracht hat Handke aber Salman Rushdie, der unter anderem in "Le Monde" den Essay-Bihänder auspackte. Er warf Handke vor, "halb verrückt und halb zynisch" zu sein und sich im großen Stil zum Komplizen des Bösen zu machen. 1999 machte sich Rushdie in einer Polemik gegen Handke wegen dessen Haltung zum Kosovo-Krieg auf die Suche nach dem "größten internationalen Trottel des Jahres". Er nominierte neben Handke Charlton Heston, den unbeirrbaren Kämpfer für das Recht auf Bewaffnung in der USA. Knapp machte dieses Rennen dann doch Heston.

Erbarmungsloser ist nur die Beurteilung, die Jonathan Littell ("Die Wohlgesinnten") über Handke abgegeben hat. In einem Interview aus dem Jahr 2008 sagte er: "Er betrachtet alles mit den Augen der Serben. Ich habe diesen Krieg von allen Seiten erlebt, ich war bei den verdammten Serben, den verdammten Kroaten und den verdammten Bosniern. Ich lag mit bosnischen Männern in den Schützengräben in Nedzarici und hörte die Schreie ihrer geschändeten Frauen, die wie eine Welle zu uns herüberdrangen. Freundlich zu diesen Verbrechern zu sein, ist obszön, und genau das hat Handke getan. Er sollte den Mund halten. Er mag als Künstler fantastisch sein, aber als Mensch ist er mein Feind. Man darf unmoralisch sein, solange man sich in der Kunst bewegt. Aber sobald man diesen Bereich verlässt und politisch spricht, gelten andere Regeln. Handke ist ein Arsch."

"Arsch"

Ein Kraftausdruck, den übrigens auch Handke einzusetzen weiß, wie eine Anekdote erzählt, die auch ganz gut illustriert, wie nahe Handke die Kritik seiner Kollegen gehen dürfte. Bei einer Lesung mit Publikumsgespräch stand ein Zuhörer auf und berichtete Handke von seiner Betroffenheit ob dessen serbenfreundlicher Haltung. Handke beschied ihm kurzerhand, er könne sich seine Betroffenheit in den Arsch schieben.