Der 17-jährige Jakob hat genug von seinem Stiefvater, der ihm ständig unter die Nase reibt, wie sehr er und seine Mutter ihm nicht verdanken, dass sie nicht in der Gosse gelandet sind. Also beschließt Jakob abzuhauen - zumindest von daheim. In die Schule geht er aber trotzdem noch, nur legt er sich auf einer Übernachtungsplattform für Touristen ohne Budget eine neue Identität zu und schläft nun als Jeremy aus Schottland in seiner eigenen Heimatstadt alle paar Nächte in einem anderen fremden Bett (beziehungsweise auf der Couch oder der Isomatte). Daheim tut er so, als wohnte er bei seinem leiblichen Vater, den er fast sein ganzes Leben lang nicht gesehen hat und der auch jetzt eine Enttäuschung ist. Das führt freilich dazu, dass ihm das Taschengeld gestrichen wird, weil ihn ja nun angeblich eh sein Erzeuger finanziert.

Das geht eine gewisse Zeit gut, bis das System ausgereizt ist. Und ab einem gewissen Zeitpunkt läuft Jakob/Jeremy, in dessen Schulklasse zu seiner Flucht von daheim (mit sonntäglichen Besuchen in der Wohnung des Stiefvaters) inzwischen Wetten laufen, auf Grund. Schließlich ist das Konzept, für jede Nacht etwas zu finden, ohne dafür bezahlen zu können, eher lückenhaft. Dazu kommt eine Liebesbeziehung zu seiner Mitschülerin Nadine, mit der er als Jeremy Riesenspaß hat, aber als Jakob total verklemmt ist.

Elisabeth Etz erzählt sozusagen einen Roadtrip zu Fuß, bei dem sie ihre Leser kreuz und quer durch Wien mitnimmt. Das hat umso mehr Reiz, wenn man die Stadt selbst gut kennt, weil einem die von ihr beschriebenen Lokalitäten geistig klar vor Augen entstehen, vom Laaerberg-Gymnasium bis zum Westbahnhof. Selbst zum Ikea in der Sverigestraße verschlägt es Jakob - und zwar gemeinsam mit einem jungen Asylwerber, der irgendwann auftaucht und dann ebenso plötzlich wieder verschwindet. Die Autorin greift also auch ein politisch brisantes Thema auf. Vor allem aber erzählt sie einen spannenden Plot, bei dem man von Seite zu Seite mit dem jugendlichen Protagonisten mitfiebert, wie er aus diesem oder jenem Schlamassel wohl jetzt wieder heil herauskommt.

Elisabeth Etz: Morgen ist woanders
Tyrolia; 392 Seiten; ab 14 Jahren; 19,95 Euro