Harold Bloom war ein streitbarer Anwalt der westlichen Literatur. Mark Mainz/Getty Images
Harold Bloom war ein streitbarer Anwalt der westlichen Literatur. Mark Mainz/Getty Images

New York. Der amerikanische Literaturwissenschafter und Kritiker Harold Bloom ist am 14. Oktober in New York gestorben. Bloom, am 11. Juli 1930 geboren, war der Sohn jiddisch sprechender Einwanderer aus Russland. In den 1980er Jahren stieg Bloom mit seinen Literaturkanon-Debatten zu einer der einflussreichsten Persönlichkeiten der Szene auf.

Bloom bezog wiederholt polarisierende Positionen. Als die US-Lehrpläne die Literatur von Frauen, Schwarzen, Einwanderern und Autoren der "Dritten Welt" gegenüber den Klassikern gezielt zu bevorzugen begannen, warnte Bloom vor dem Niedergang der westlichen Kultur. Ebenso protestierte er, als Stephen King die Medal of Distinguished Contribution to American Letters des National Book Award zugesprochen wurde. Bloom schrieb, es gäbe bedeutendere Autoren als den erfolgsverwöhnten Horrorschriftsteller.

Blooms Forderung an bedeutende Literatur war, dass sie sich mit den Grundfragen der menschlichen Existenz auseinandersetzen und nach Perfektion und Ewigkeit streben müsse. In diesem Sinn plädierte er für die Dichter der englischen Romantik wie Wordsworth und Coleridge und verfasste einen - umstrittenen - Kanon der westlichen Literatur. Aufsehen erregte Bloom auch mit seiner Analyse der Shakespeare-Dramen "Die Erfindung des Menschlichen", die in den USA eine Shakespeare-Welle auslöste.(eb)