85 Jahre alt wäre Udo Jürgens am 30. September geworden, am 21. Dezember jährt sich sein Todestag zum fünften Mal, und soeben ist die Verfilmung des Udo-Jürgens-Musicals "Ich war noch niemals in New York" ins Kino gekommen. Da liegt es auf der Hand, dass auch im Buchhandel eine posthume Neuerscheinung gelandet ist. "Spiel des Lebens" heißt die Sammlung von kurzen Geschichten, die im Zuge der gemeinsamen Arbeit des Musikers mit der Autorin Michaela Moritz entstanden ist. Nach dem Bestseller "Der Mann mit dem Fagott" (300.000 verkaufte Exemplare) haben die beiden nämlich von 2006 bis 2014 weitergemacht.

Herausgekommen sind Geschichten, die sich wirklich schön lesen. Das Buch hat dieselbe Tonalität wie Udo Jürgens' Lieder - wohl auch, weil es mitunter um Dinge geht, die er auch in seiner Musik beschrieben hat. Wer etwa je die eingängige Melodie von "Mein Bruder ist ein Maler" gehört hat, bekommt sie unweigerlich in den Kopf, wenn er nun von einem Maler liest, der in Paris einen Kellner kennenlernt, von ihm ermutigt wird, ihn aus den Augen verliert und ein halbes Leben später wiedertrifft. Zunächst aber geht es natürlich um Udo Jürgens selbst. Er beschreibt seine frühe Zeit in den USA, wie er ein Konzert von Sammy Davis Junior nicht besuchen konnte, weil er das Eintrittsgeld dafür im Casino nicht gewinnen konnte, nachdem seine Freunde für ihn zusammengelegt hatten. Hier gibt er ganz persönliche Einblicke in seine Erinnerungen.

Wirklich berührend ist aber eine ganz andere Geschichte: nämlich jene über einen indischen Näher, der einen langen Brief an deren späteren Träger in eine von ihm gefertigte Stonewashed-Jean gesteckt und damit für mediales Aufsehen gesorgt hat. Ein ganz reales Ereignis, das Udo Jürgens (oder wohl vielmehr Michaela Moritz) sehr prosaisch ausschmückt und wirklich gut zu Papier gebracht hat. Seine Fans werden zufrieden sein.

Udo Jürgens & Michaela Moritz: Spiel des Lebens
S. Fischer Verlag; 224 Seiten; 20,60 Euro