Peter Handkes Nobelpreis sorgt für Debatten. - © APA/Gindl
Peter Handkes Nobelpreis sorgt für Debatten. - © APA/Gindl

Die Schwedische Akademie hat ihre Entscheidung, den Nobelpreis für Literatur 2019 an Peter Handke zu vergeben, verteidigt. Handke habe provokante Meinungen abgegeben, er habe aber nie Blutvergießen unterstützt.

Der Literatur-Nobelpreis für Handke hat einiges an Kritik einstecken müssen, etwa von Überlebenden des Massakers von Srebenica, die die Akademie aufgefordert haben, den mit 800.000 Euro dotierten Preis an Handke wieder zurückzunehmen. 2006 hatte Handke beim Begräbnis des Serbenführer Slobodan Milošević, der in Haft gestorben war, während er auf das Urteil des Kriegsverbrechertribunals in Den Haag gewartet hat, gesprochen. Handke hatte sich außerdem positiv über Radovan Karadzić und Ratko Mladić, die wegen des Völkermords an über 8000 muslimischen Männern und Burschen in Srebrenica verurteilt wurden, geäußert.

Der Leiter der Schwedischen Akademie, Mats Malm, sagte in der schwedischen Zeitung "Dagens Nyheter", Handke habe "provokante, unpassende und unklare Kommentare zu politischen Fragen" abgegeben. Aber, so Malm weiter, Handke habe niemals Blutvergießen gutgeheißen und er habe das Massaker von Srebrenica klar verurteilt. "Die Akademie hat in seinem Schaffen nichts gefunden, das einen Angriff auf die zivile Gesellschaft oder auf den Respekt vor der Gleichheit aller Menschen darstellt." Er zitierte einen Artikel der "Süddeutschen Zeitung" aus dem Jahr 2006, in dem Handke sagt, dass das Srebrenica Massaker das schlimmste Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg war.

Nach massiver Kritik, unter anderem vom aktuellen Buchpreisträger Saša Stanišić, mahnen Kommentatoren nun zur tatsächlichen Lektüre von Handkes Texten. Das hat auch Handke selbst gefordert, als es am Dienstag Abend zu einem Eklat in seiner Heimatgemeinde Griffen kam. Er sagte zu Journalisten :"Alle fragen nur wie Sie, und von keinem Menschen, der zu mir kommt, höre ich, dass er sagt, dass er irgendetwas von mir gelesen hat, dass er weiß, was ich geschrieben hab." Der Schriftsteller hatte daraufhin angekündigt, nie wieder mit Journalisten sprechen zu wollen. (cb)