In "On The Road" wurden all die Themen, die dann später die Jugendkultur der 60er Jahre (Flower Power und Hippies) bestimmen sollten, vorweggenommen. Es ging um einen Aufbruch in neue Welten und Erfahrungen, um neue Musik, Bebop von Charlie Parker, um Drogenerfahrungen, um sexuelle Befreiung etc.

Die 50er Jahre waren für Kerouac künstlerisch die produktivsten Jahre. Er schrieb wie in
einem Rausch ein Buch nach dem anderen. Dabei entwickelte er seine "Spontaneous Prose", den wilden Drauflos-Stil. Erster Gedanke, bester Gedanke.

Peinliche Auftritte

So verfasste er zwischen 1. und 20. April 1951 die legendäre dritte Fassung von "On The Road" in einem Zug. Um nicht im Schreibfluss durch das Wechseln der Schreibblätter abgelenkt zu werden, knallte er den Text dicht gedrängt auf eine knapp vierzig Meter lange Papierrolle. Im Jahr 2016 hatte ich die Möglichkeit, "The Scroll" in einem Glasschrein im Karlsruher ZKM bewundern zu dürfen, ein Dokument des wahrscheinlich flottesten Sprints der Literaturgeschichte.

"On The Road" wurde von Kerouac auf einer knapp vierzig Metern langen Papierrolle geschrieben, die im Karlsruher ZKM ausgestellt ist. - © Schneitter
"On The Road" wurde von Kerouac auf einer knapp vierzig Metern langen Papierrolle geschrieben, die im Karlsruher ZKM ausgestellt ist. - © Schneitter

Seine literarischen Vorbilder waren Thomas Wolfe, Jack London, die russischen Dichter, allen voran Fjodor Dostojewski, und natürlich auch James Joyce. Jack Kerouac wurde auch dem New Journalism (Norman Mailer, Truman Capote, Tom Wolfe) zugerechnet, aber seine Reiseberichte waren von seinem ganz eigenen Stimmungsgefühl bestimmt. Es war Romantik, der Blues der Straße und eine naiv-ehrliche Offenheit für alles Verrückte.

Als dann die Rucksack-Revolution so richtig losbrach, war die große Zeit von Jack Kerouac bereits wieder zu Ende. Mit "On The Road" erlangte er zwar kurzzeitig riesige Aufmerksamkeit, aber er wusste mit diesem Erfolg nicht umzugehen. Es gab peinliche Auftritte in der Öffentlichkeit, meist war er sturzbetrunken, und er distanzierte sich mit seltsamen, ultrakonservativen politischen Aussagen von den Hippies. Er wurde als Beat-Clown und "Redneck" wahrgenommen.

Kerouac zog sich immer mehr zurück, verfiel völlig dem Alkohol. Seine Mutter wurde zur bestimmenden Kraft in seinem Leben. Sie verbot ihm den Kontakt zu seinen alten Freunden Ginsberg und Burroughs. Seine Bücher verkauften sich immer schlechter. Um ihn von zerstörerischen Sauftouren in Lowell oder Nashua abzuhalten, versteckte seine dritte Frau Stella seine Kleidung und auch seine Schuhe.

Aber das konnte Jacky nicht aufhalten. Im Pyjama und barfuß flüchtete er durch das Fenster, zog durch die Bars, verwickelte sich in Raufereien, wurde von der Polizei aufgegriffen oder verbrachte Nächte schlafend im Wald.

Große Geldprobleme begleiteten die Familie in den letzten Jahren. Als Jack Kerouac am 21. Oktober 1969 verstarb, waren gerade einmal siebzig Dollar in der Haushaltskasse vorhanden. Nach seinem Tod geriet der Autor vorübergehend in Vergessenheit, ehe eine Renaissance einsetzte, die mit der Biografie von Ann Charters im Jahr 1974 begann.