Amélie Nothomb zeigt eine junge Frau als Opfer ihrer Mutter. - © APAWeb/afp/Joel Saget
Amélie Nothomb zeigt eine junge Frau als Opfer ihrer Mutter. - © APAWeb/afp/Joel Saget

Eine Kindheit ist kein Zuckerschlecken. In ihrem neuen Roman, "Klopf an dein Herz", führt Amélie Nothomb vor Augen, auf welch unterschiedliche Arten Eltern ihre Kinder quälen können: durch Liebesentzug wie -überschuss, stille Abwesenheit oder Karrierismus. Diane ist Opfer einer solchen Mutter, die ihr gegenüber stets nur mit Eifersucht, Kälte und Ablehnung reagiert. Diane findet ihre einzige Erfüllung in der Arbeit und wird schließlich als Ärztin sehr erfolgreich. Dennoch vermag sie das emotionale Loch, das ihre Mutter in ihr Inneres riss, nie zu füllen.

Mit wenigen Strichen zeichnet Nothomb ihre Charaktere, manches gerät dabei gar schemenhaft - anders könnte man ein ganzes Menschenleben wohl nicht auf 150 Seiten zwängen. Dazu kommt ein fragwürdiges Spiel mit der Logik, wenn sie der zweijährigen Diane die Fähigkeit unterstellt, das von Eifersucht getriebene Handeln ihrer Mutter zu verstehen und zu analysieren. Was manch einer vielleicht als Skurrilität lobt, könnte man ebenso gut als Absurdität bezeichnen.

Auch wenn Nothomb es manchmal schafft, ein wenig schlau und sehr unterhaltsam zu sein, so ist sie in "Klopf an dein Herz" vor allem beiläufig.