Parallelen finden sich in den Höllenszenen eines Hieronymus Bosch oder in der dunklen Romantik eines Lautréamont. Wenn Cartarescu die Gedanken seines Erzählers in den Körper einer Krätzmilbe versetzt und ihn durch Menschenhaut kriechen und mit "ihren monströsen Weibchen" kopulieren und ihn überlegen lässt, ob der Mensch nicht eine Milbe in der "Haut eines unausdenkbaren Gottes" sein könnte, dann wirkt Kafkas "Verwandlung" ins Abseitig-Bizarre gesteigert nach. Die labyrinthischen Gänge, in denen die Abscheulichkeiten lauern, gemahnen an H. P. Lovecraft, die über die Stadt verteilten "Solenoide" wiederum an die Höllentore in Dario Argentos Film "Inferno".

Einige Motive übernimmt Cartarescu aus seiner "Orbitor"-Trilogie: Wieder ist der Roman (immer noch fehlt die passendere Bezeichnung) in der Endzeit der Ceausescu-Diktatur angesiedelt; wieder gibt es eine Sekte, nur sind aus den "Wissenden" jetzt die "Mahner" geworden. "Nieder mit dem Tod", ist ihr Motto, aus "einer Million Kehlen" sollen sie "Hilfe!" schreien - und das geschieht dann auch plastisch: Zehn Seiten lang wird das Wort abgedruckt.

Von Cartarescus ans Magische grenzender Stilkunst mit ihrem Metaphern-Strömen und Strudeln an Manierismen, ihren Übersteigerungen und komplizierten Satzbauten, ihrem Wühlen in ausgefallenen Wörtern und Sprachbildern geht dunkles Leuchten aus. Übersetzer Ernest Wichner transponiert das dermaßen perfekt, dass man kaum je auf die Idee kommt, das Original könnte in einer anderen Sprache als Deutsch geschrieben sein.

Und dann gibt es auch noch eine wunderbare Liebesgeschichte zwischen dem Erzähler und der Physiklehrerin Irina. Sie wird von ihm ein Kind bekommen. Der Schwarzmagier der Wortkunst lässt einen Lichtstrahl in sein Pandämonium eindringen. Cartarescus als Autor gescheiterter Erzähler meint, er habe keine Leser. Ganz im Gegenteil, wünscht man ihm.