"Wie alt muss man eigentlich werden, um Weihnachten so zu feiern, wie man will?"

Weihnachten ohne Verwandtschaft, nur in trauter Zweisamkeit. Das ist jedenfalls der Plan von Sandra und Thomas, die zwar noch recht jung, aber schon ewig ein Paar sind. Vor der akribisch geplanten Bescherung ist nur noch schnell das alte Doppelbett zu verkaufen, die Interessenten kommen dann gleich vorbei.

Auch Elisabeth und Leo haben ein besonderes Weihnachtsfest geplant, etwas unkonventioneller zwar, und auch nicht zu zweit . . . Sie nehmen den Prosecco und machen sich auf den Weg. War es nun Haus 2, Top 8? Oder umgekehrt? Egal, die Frau hinter der Tür redet gleich vom Doppelbett. Hier müssen sie richtig sein.

Sandra wundert sich: Komische Bettkäufer sind das, die gleich per du sind, die Wohnzimmercoach in Beschlag nehmen und sich an den genau abgezählten Pastetchen vergreifen. Ob das an Weihnachten liegt?

Rechtzeitig bevor der Weihnachtskitsch allerorten auf uns herniederrieselt, liefert der in Grünau im Almtal lebende Wiener Autor René Freund mit seiner herrlichen, im Stil eines Kammerspiels aufgebauten Verwechslungskomödie einen raffiniert-hintergründigen Beziehungsroman. Hier das junge Paar: Sandra und Thomas sind im Klischee verhaftet und vom Lebenskonzept des ewigen, vertraglich abgesicherten Glücks überzeugt. Pedanterie hat sich eingeschlichen, Heimlichkeiten werden zelebriert, Probleme totgeschwiegen. Und Sex ist sowieso überbewertet.

Da das unkonventionelle Paar: Elisabeth und Leo sind ehrlich zueinander und ihren Bedürfnissen gegenüber aufgeschlossen. Beinahe mephistophelisch (aber viel sympathischer als der alte Pudel) legt Elisabeth bei den beiden Jüngeren einen wunden Punkt nach dem anderen offen.

"Bist du untenrum ganz rasiert?", fragt sie ihre Gastgeberin unvermittelt. Worauf diese schnell den Keksteller herumreicht. Im Verdrängen sind Sandra und Leo gut geübt.

Das Missverständnis rund ums "Doppelbett" wird rechtzeitig aufgeklärt, bevor sich Thema und Witz abnützen könnten. Die Besucher bleiben trotzdem - der Swingerabend ist eh abzuschreiben. Elisabeth packt das "Adventkalender-Spiel" aus, das sie mit Leo gebastelt hat, während Sandra und Thomas ihre Pastetchen buken. Eigentlich sollte dieses Kennenlernspiel in einer feinen, geilen Orgie münden - was hier freilich nicht passieren wird. Denn die Fremdheit wird durch die intimen Fragen nicht entschärft, sondern tritt erst so richtig an die Oberfläche . . .

René Freund versteht es, tiefgründig zu unterhalten. Die vier Protagonisten sind scharf gezeichnet und nur manchmal ein bisschen lächerlich. Das Thema Sex bleibt locker und unverhuscht an seinem Platz. In erster Linie gefallen die spritzigen Dialoge und Wortspiele. Passend, dass der Autor inzwischen auch ein Theaterstück daraus gemacht hat.