"Das bin ja ich!" Oft hat Isolde Fehringer diesen Satz gehört, wenn sie ihr Kinderbuch "Der kleine Tollpatsch Bummbumm" in Kindergärten gemeinsam mit stürmischen Kindern gelesen hat. Genau darum geht es der Ergotherapeutin in ihren Büchern (inzwischen ist auch "Die kleine Mimose Mimi" entstanden), die sie gemeinsam mit dem Kommunikationswissenschafter Klaus Ebenhöh schreibt: Die Kinder sollen sich selbst darin wiedererkennen, allerdings ist ihr eine positive Auflösung wichtig.

Fehringer will auf die Ressourcen hinweisen, die zur Verfügung stehen, um die eigenen Stärken hervorzuheben. "Es kann nur so gehen, dass man lobt, was gut ist. Es geht nur so, dass man die Stärken des Kindes verwendet, um seine Schwächen zu verbessern. Es ist unmöglich und auch ungesund, dem Kind alle Unannehmlichkeiten aus dem Weg zu räumen – auch wenn es manchmal schwer ist, dabei zuzusehen. Ich denke, das das Sich-selber-Erkennen in den Büchern Kindern und Eltern helfen kann, eine Veränderung zuzulassen."Es sind also durchaus pädagogische Kinderbücher, freilich mit einem spielerischen Zugang, den der Illustrator Daniel Spreitzer in entsprechende Bilder umsetzt. Ging es in "Der kleine Tollpatsch Bummbumm" um das oft ungezügelte Temperament von Kindern, so haben sich Fehringer, Ebenhöh und Spreitzer für "Die kleine Mimose Mimi" das Thema Wahrnehmungsunterschiede vorgenommen.

Denn Menschen sehen nicht nur verschieden aus und haben unterschiedliche verschiedene Stimmen und Körperhaltungen, sondern auch der Tastsinn ist individuell ausgeprägt. Das ist vielen nicht bewusst, was zu Missverständnissen führen kann. Darauf möchten die Autoren aufmerksam machen. Die Bücher sollen als Übersetzung für Wahrnehmungsmissverständnissen zwischen Kindern und Eltern beziehungsweise begleitenden Pädagoginnen dienen. Zwar hat Jean Ayres in den 1970ern in den USA die Sensorische Integration begründet, doch laut Fehringer ist "in der breiten Öffentlichkeit beziehungsweise im Bewusstsein von vielen Eltern diese Thematik noch nicht wirklich angekommen".

Auch wenn die Zielgruppe in erster Linie Kinder sind, die Dinge wie Gesicht waschen, Zähne putzen, Frisieren oder Nähte in Kleidung im Alltag stressen, so richtet sich das Buch wie schon das erste im Grunde an alle, "denn jeder von uns hat Anteile von Bummbumm und Mimi in sich", meint Fehringer. Im konkreten Fall vermeidet die Protagonistin Mimi Liebkosungen der Eltern, weil sie diese Berührungen einfach als unangenehm empfindet. Lieb hat sie Papa und Mama aber trotzdem. Das soll auch als Botschaft bei den Kindern ankommen. Die Autorin führt auch noch ein weiteres Beispiel an: "Kinder wie Mimi verweigern ihre Mahlzeiten oft, weil ihnen vor deren Konsistenz graut. So findet das Kind Spaghetti mit Soße schrecklich, isst beides aber leidenschaftlich gern, wenn Nudeln und Soße getrennt vor ihm stehen. Das Beispiel zeigt auch, wie einfach Lösungen aussehen können, wenn man das Problem kennt."