Auf den Schienen verkehrten Panzerzüge, die Massaker anrichteten, aber keine Gefangenen heimbrachten. Um ihren Rückzug zu sichern, besetzten die tschechischen Truppen die strategisch wichtigen Bahnhöfe der Transsibirischen Eisenbahn. Diese Aktion wurde den nach Freilassung oder Flucht zurückreisenden Österreichern und Deutschen zum Verhängnis, da sie zwar Zentralrussland erreichten, dann aber von Tschechen und sich formierenden "weißen" Truppenteilen an der Weiterreise gehindert wurden.

Wer noch in einem sibirischen Kriegsgefangenenlager saß, wie der Autor Heimito von Doderer, versuchte entweder Arbeit vor Ort zu finden oder sich auf eigene Faust Richtung Westen durchzuschlagen. Aus jener Zeit stammen Doderers Berichte vom Holzfällen in Sibirien, das ihm die Rekrutierung ersparte. Die körperliche Hauptarbeit leistete zwar, folgt man Biograf Wolfgang Fleischer, ein türkischer Kamerad mit Urkräften und ausgefeilter Technik. Dennoch konnte sich der angehende Autor, ein Ex-Dragoner-Fähnrich, bei der Arbeit bewähren.

Die Strategie der ausgemergelten und heimkehrwilligen, ehemaligen k.u.k. Soldaten und deren Offiziere, sich nach dem Westen durchzuschlagen, scheiterte. War es zunächst die Sorge, wieder an eine (andere) Weltkriegsfront zurückkehren zu müssen, so standen nun die Tschechische Legion und "weiße" Armeen an den meisten Fluchtpunkten einer Rückkehr im Weg. Die mongolische oder chinesische Route barg große Gefahren, ansonsten gab es kein Weiterkommen.

Im Norden operierte General Miller, in Transbaikalien der grausame Ataman Semjonow. In Omsk regierte Admiral Koltschak, auf der Krim formierten sich Donkosaken unter Denikin, General Judenitsch drängte Richtung Petersburg und Moskau. Die Niederlage der Bolschewiken und ihrer "roten" Armee schien nur mehr eine Frage der Zeit zu sein. Die Alliierten verkauften Waffen, darunter neue Tanks (Panzer), mischten sich aber sonst kaum in den Bürgerkrieg ein.

Ehemalige zaristische Kavallerie und Kosaken schüchterten die roten Truppen durch spontane Angriffe ein. Und zwischen den Fronten saßen die Kriegsgefangenen, die nun immer stärker den Wunsch verspürten, nach Jahren endlich wieder ihre Angehörigen und die Heimat zu sehen.

Sie litten an Krankheiten, zudem drohte verschärfte Lagerhaft in der "Katorga", wie der spätere Gulag damals hieß. Wer den brutalen Aufsehern Widerstand entgegensetzte, wurde deportiert oder erschlagen. In den sibirischen Lagern kamen die Gefangenen mit den Einheimischen besser zurecht als mit den zunehmend Bewachungsaufgaben übernehmenden tschechischen Legionären, die vor allem ihre ehemaligen Vorgesetzten drangsalierten und demütigten.

Heimkehr via Baltikum

Die Rote Armee siegte letztlich gegen die uneinigen und grausamen "weißen" Truppen. Diese hatten sich selbst diskreditiert. Bald wollte auch die Landbevölkerung nichts mehr von Abenteurern, einer zaristischen Restauration und dem Bürgerkrieg wissen und nahm das vermeintlich kleinere Übel der Bolschewisierung hin.