Die Gesetze" heißt das Buch, das die Stadt Wien seit Donnerstag gratis verteilt. Es ist der Debütroman der niederländischen Autorin Connie Palmen, der sie 1991 schlagartig berühmt machte. Mit der "Wiener Zeitung" sprach sie über ihren Hang zum Autobiografischen, langweilige Treue und die Gefahren des Sternzeichens Skorpion.

"Wiener Zeitung": In "Die Gesetze" erzählen Sie von einer Frau - man lernt sie über ihre Beziehung zu sieben Männern kennen. Kann es sein, dass man so feministisch und selbstbewusst sein kann, wie man will, und doch immer von Männern geprägt sein wird?

Connie Palmen: Das stimmt sicher für dieses Buch, aber im echten Leben denke ich nicht. Mein Leben ist sehr stark durch meine Mutter bestimmt, dabei bin ich in einer Männerfamilie aufgewachsen, mit drei Brüdern und einem fantastischen Vater. Ich hatte auf der Uni nur männliche Freunde. Ich war nie eine Frau für Freundinnen, ich hatte nur eine. Viele Freundinnen, das ertrug ich nicht in meinem Kopf, diese Konkurrenz. Ich wollte, dass Freundschaft exklusiv ist. Männer sind ganz anders. Männer mögen auch Exklusivität gar nicht. Das sind keine angenehmen Männer, die Frauen für sich selbst haben wollen.

Zwei Ihrer Bücher handeln vom Tod Ihrer Männer. Eine intime Erzählung - muss man in diesen Situationen die Wahl treffen, entweder ich schreibe darüber oder ich schreibe nie mehr?

Ja. Es gibt ungeschriebene Bücher, die es einem Schriftsteller unmöglich machen, weiter zu schreiben, die alles stilllegen. Wenn man etwas so Großes, so Absolutes wie den Tod eines Geliebten nicht verarbeitet, wird man blind, es wird eine Hürde für das Glück.

Ist nicht ein wichtiger Teil der Trauer auch die Panik davor, zu vergessen?

Das war bei "Logbuch eines unbarmherzigen Jahres" (darin verarbeitete sie den Tod ihres Lebensgefährten Hans van Mierlo, Anm.) eines meiner Motive. Ich hatte schon den Tod meines Geliebten Ischa Meijer 14 Jahre davor erlebt (darüber schrieb sie "I.M. Ischa Meijer - In Margine, In Memoriam", Anm.) und so viel vergessen. Ich hatte Angst, wieder zu vergessen, so wie man Zahnschmerzen vergisst. Vergessen ist auch eine Art Tod und ich denke, das ertrage ich nicht mehr.

Sehr viele Ihrer Werke sind autobiografisch - ist das eine Entscheidung oder passiert das?

Ich weiß nicht, ob ich mich entschieden habe dafür. Es war einfach so, es gehörte zu meiner Persönlichkeit, zu dem Stil, den ich am meisten mochte und zu meinen Fragen, um mich selbst zu begreifen. Das erste Buch hat so eine lange Geschichte, man entscheidet so vieles, aber nicht alles bewusst, man springt in eine Lawine, ohne Fallschirm aus dem Flugzeug, es ist nicht gefahrlos, man hat nicht über alles nachgedacht. Es kommt noch dazu, dass ich katholisch bin. Aber eigentlich sind die Niederländer in ihrer Volksart, wenn man das so sagen darf, protestantisch, und ich hab das immer gehasst: diese Abscheu vor Bildern, Metaphern, Theater. Ich habe mich dieser Kultur entgegengesetzt: Es gehörte sich nicht, einen Satz anzufangen mit Ich oder überhaupt Ich zu sagen.