Offline ist die 19-jährige Sam Morphet eine schüchterne Schülerin, die sich nach dem Tod des Stiefvaters allein um ihre autistische Schwester kümmert, weil die Mutter in Haft ist. Aber online ist sie der Top-Hacker Buzzkill, der eine Bank in die Knie zwingt. Doch dann wird sie erpresst und in eine brisante Industriespionage hineingezogen, gemeinsam mit dem Privatermittler Jack Parlabane, der gerade endlich wieder auf die Beine kommt, nachdem sein letzter Coup ihn sämtliche Reputationen gekostet hat.Den Autor Chris Brookmyre hindert das freilich nicht, seine schon vor längerer Zeit erfundene Figur auch diesmal einmal an den Haaren quer durch einen Riesenhaufen Kot zu ziehen und so richtig leiden zu lassen, wenn er sich als alter, analoger Bewohner Londons plötzlich mitten in einer digitalen Schlacht wiederfindet, die ihre Opfer fordert.

Dennoch kommt Brookmyres sehr gut konstruierter Thriller um Online- und Offline-Einbruch abgesehen von einem Mord mit erfreulich wenig Gewalt aus. Er schafft es auch so, ein Höchstmaß an Spannung aufzubauen, indem er ein Katz-und-Maus-Spiel (mit zugegebenermaßen etwas aufgesetzt wirkender Auflösung, aber die sieht man dem Autor nach) aufbaut, das direkt nach einer Verfilmung schreit. Und während man schon im Geiste die möglichen Hauptrollen durchgeht, denkt man über etwas anderes lieber nicht allzu intensiv nach: nämlich die vielen im Buch aufgezeigten Spionage- und Überwachungsmöglichkeiten, die von den guten und den bösen Hackern eingesetzt werden . . .

Chris Brookmyre: Dunkle Freunde
Rowohlt; 542 Seiten; 13,40 Euro