Markus Bundi, der vor allem als Lyriker und Prosaautor hervorgetreten ist, hat nebenher seit Jahren immer wieder ein ganz eigenes Genre gepflegt: den literarischen Essay. Auf sehr persönliche, zugleich aber philologisch höchst kundige und unkonventionell-kluge Art nähert er sich dabei dem Werk anderer Autoren.

Nach Klaus Merz, Alois Hotschnig und Franz Tumler hat er sich nun Marlen Haushofer (1920- 1970) vorgenommen. Am Beispiel zweier Erzählungen - "Der Mann und sein Hund" und "Wir töten Stella" - befreit Bundi die erst nach ihrem Tod zu wirklicher Berühmtheit gelangte österreichische Erzählerin von der gängigen Zuschreibung, feministische oder existenzialistische Texte geschrieben zu haben. Stattdessen zieht der Schweizer Autor überraschende Linien ins 19. Jahrhundert, zu Schopenhauer und Nietzsche, zu Raabe und Ibsen. Und zeigt auf eindrucksvolle Weise, warum Haushofers Œuvre trotz aller Konventionalität hochmodern und von erzählerischer Raffinesse ist.