Botho Strauß hat über viele Jahre als konservativer Querdenker, als polemisch-provozierender Intellektueller auch abseits von Literatur und Theater für Furore gesorgt. Vor fünfzehn Jahren hatte er "verführen, amüsieren, provozieren und beleben" als wichtigste Aufgaben des Autors bezeichnet und diese Attitüde auch noch in seinem letzten Essayband, "Der Fortführer" (2018), mit großem Furor gepflegt. Da war sie noch einmal deutlich vernehmbar, die mahnende Stimme des Zweiflers und Skeptikers, der einst das Internet als "Logbuch einer weltweiten Mitteilungsinkontinenz" bezeichnet hatte.

Und doch ist der exzentrische Nonkonformist Botho Strauß, der zur Melancholie neigende erzählerische Philosoph und vehemente Zeitgeistkritiker, deutlich ruhiger geworden und schlägt neuerdings versöhnliche Töne an. Es begann vor fünf Jahren mit "Herkunft": Darin blickte er geradezu melancholisch auf seine Kindheit in Bad Ems zurück. Das schmale autobiografische Bändchen las sich wie ein verspätetes Liebesbekenntnis zu seinen Eltern. Strauß versöhnte sich mit seinem autoritären Vater; als Kind hatte er ihn im Gefängnis besucht, wo er wegen angeblicher Schmuggelvergehen in der damaligen sowjetischen Besatzungszone einsaß.

Paare & Beziehungen

Um zwischenmenschliche Beziehungen kreist auch der neue Band "zu oft umsonst gelächelt", ein Textkonglomerat ohne Gliederung und Zwischentitel, eine Aneinanderreihung von Prosafragmenten, Kurzgeschichten, Mini-Reflexionen und Notizen. Im Mittelpunkt stehen Paare und Beziehungen unterschiedlichster Couleur. Strauß zeigt sich hier als überraschend gelassener Komödiant und subtiler Arrangeur kleiner zwischenmenschlicher "Unfälle". Seine humorvolle Ader kam in der Prosa bisher eher selten zum Vorschein - anders in seinen Theaterstücken, in denen oft tollpatschige Figuren, die etwas "durch den Wind" waren, über die Bretter huschten.

Bei der Lektüre der Episoden des Bandes glaubt man, unendlich viele, kleine Bühnenskizzen zu lesen; pointierte Arrangements aus der Welt der Paare, die geprägt sind von Liebe, Leidenschaft, emotionalen Missverständnissen, Sehnsüchten und Enttäuschungen. Von "Ehetrümmergrundstücken" und "Umarmungen unter Niveau" ist die Rede in Strauß’ tragikomischen Szenen, in denen er ein fantasievoll gestaltetes, leicht skurriles Figurenensemble auftreten lässt. Da ist der Ja-Sager Gisbert, der in Gesellschaft zu allem nickt, um partout nicht anzuecken. Er ist "Begründer der Gisbertologie, der Lehre vom Zustimmen." Dann ist da die "Miesmacherin", die ihren Mann permanent schikaniert; der Mann im Safarihemd, der nach dem Tod seiner Frau alle Reisen, die er mit ihr gemacht hat, noch einmal antreten will; oder der umtriebige Unternehmer mit den vier Frauen: Ehefrau, Geliebte, die "Fernstenliebe" und die "hilfreiche Närrin".