Ein Krimiautor wie John Connolly muss Experte für Angst sein. Daher war der Ire heuer beim Literaturfestival Erich Fried Tage zum Motto "Keine Angst" geladen. Seine Reihe um Ermittler Charlie Parker ist auf Deutsch nicht erhältlich, aber sein letztes Buch, eine fiktive Biografie von Stan Laurel ("Stan"). Sein Roman "Das Buch der verlorenen Dinge" wird in Bälde verfilmt. Mit der "Wiener Zeitung" sprach er über katholische Krimis, die Hierarchie der Mordopfer und abergläubische Iren.

John Connolly (51) veröffentlichte 1999 den ersten Teil seiner Charlie-Parker- Thrillerreihe, "Every dead thing". In den Romanen geht es nicht nur wegen blutiger Verbrechen unheimlich zu. - © Hetzmannseder
John Connolly (51) veröffentlichte 1999 den ersten Teil seiner Charlie-Parker- Thrillerreihe, "Every dead thing". In den Romanen geht es nicht nur wegen blutiger Verbrechen unheimlich zu. - © Hetzmannseder

"Wiener Zeitung": Zu Ihren Büchern findet man solche Amazon-Kritiken: "Sperren Sie alle Türen zu und drehen Sie alle Lichter auf, wenn Sie dieses Buch lesen." Warum macht es Ihnen so viel Spaß, Menschen Angst einzujagen?

John Connolly: Ja, man wird irgendwie dieser dicke Bub bei Dickens, dem es einfach Freude bereitet, Leute zu erschrecken (lacht). Ich denke, wir mögen es, uns in kontrollierten Situationen zu fürchten. Unkontrolliert fürchten wir uns ohnehin die ganze Zeit. Ich habe zwei Söhne in den 20ern, die sind der Meinung, dass die Welt untergeht. Sie sehen globale Katastrophen, fürchterliche politische Führungsfiguren, meine Söhne denken, wenn ich im Grab bin, dann brennt die Welt. Und ich sage: Die Welt ist immer schon bald untergegangen. Als ich jung war, waren wir kurz davor, von den Russen ausgelöscht zu werden.

Ändern sich Ängste?

Ja, als Kind findet man vor allem die Dunkelheit der anderen Welt furchteinflößend. Aber auch den Gedanken, dass einen die Eltern verlassen können. In der Pubertät lesen Mädchen und Burschen nicht zufällig gerne Horrorgeschichten. Wenn einem überall Haare wachsen und man wilde Stimmungsschwankungen hat, ja warum nicht über Werwölfe lesen: Die sind genau wie du!

Und irgendwann landet man dann bei den Krimis...

Krimis und Mystery-Literatur können uns Lösungen verschaffen, die wir im echten Leben nicht bekommen. Dort sind Chaos und Anarchie die Ausnahmen der Regel, dort können Menschen, die positiv handeln, auch etwas erreichen. Ein Autor hat einmal gesagt: In der nächsten Welt werden wir Gerechtigkeit haben, in dieser haben wir das Gesetz. Krimiliteratur weigert sich, das zu akzeptieren. Die akzeptiert nicht, dass du sterben musst, bevor dir Gerechtigkeit widerfährt.

Sie haben einmal von einer Hierarchie der Krimiopfer gesprochen: Männer kann man ungeschoren umbringen, Frauen gehen auch ganz gut, Kinder schon schwieriger, Hündchen sind ein Wagnis und Katzen töten geht absolut gar nicht. Was sagt das über uns aus, dass wir kein Problem damit haben, von ausgeweideten Frauen zu lesen, aber um Gottes willen: die Katze!