Ach, das sagt nur, dass wir seltsam sind und sehr sentimental (lacht). Als Krimiautor will man immer eine emotionale Reaktion beim Leser erreichen. Frauen sind da eine sichere Bank. Aber ich habe mich immer bemüht, gerecht zu sein beim Abschlachten. Mir ist es eigentlich zu einfach, Frauen sterben zu lassen.

Aber recht blutig darf es in jedem Fall zugehen...

Bei einer Lesung in Chester in England kam einmal eine nette, alte Lady zu mir. Ich dachte mir, ach wie süß, sie sieht aus wie meine Großmutter, vielleicht will sie eine Tasse Tee. Und sie tätschelt mir so den Arm und sagt: "Seit Ihrem allerersten Buch haben Sie kein gutes Buch mehr geschrieben." Sie war keine nette alte Lady, sie war eine gemeine alte Lady! Aber sie fuhr fort: "Ich kaufe eh noch jedes Ihrer Bücher, aber sie sind mir einfach nicht mehr grausam genug." Das war ein absolut nachvollziehbares Argument. Denn sie erzählte: "Ich bin pensioniert und lebe in Chester. In Chester passiert nichts. Es ist so langweilig. Wenn ich ein Buch kaufe, dann will ich Extremsituationen." Sie will ihren Krimi nach Hause tragen wie ein Stück Leber vom Fleischhauer, aus dem noch das Blut tropft. Wenn sie das nicht bekommt, wird sie nicht unterhalten. Die Menschen wollen ihren Puls beschleunigen, man will nicht immer nur "Middlemarch" lesen.

Ihre Krimis aus der Reihe mit Ermittler Charlie Parker haben Sie in Amerika angesiedelt, warum?

Ich wuchs im Irland der 80er auf. Das war unglaublich deprimierend und engstirnig. Die literarische Tradition war erstickend, ich wollte damit nichts zu tun haben. Es gab keine Mystery-Romane in Irland, daher dachte ich, wenn ich so etwas schreibe und es noch dazu in Amerika ansiedle, dann bin ich so weit wie möglich entfernt von der irischen Literatur. Ich habe dann festgestellt, dass alles, was mich unterscheidet von den Amerikanern - die Faszination an Mythologie, an Folklore, am Übernatürlichen -, genau das ist, dem ich entfliehen wollte. Das ist meine irische Erziehung, auch der Katholizismus.

Wie viel Katholizismus steckt denn in Ihren Krimis?

Die Idee, dass Erlösung ein Opfer erfordert, dass du für deine Sünden bezahlen musst, dass du Buße tun musst. Wir haben lange in Irland kein Problem damit gehabt, das Katholische mit alten Mythen zu verbinden. In den frühen Kirchen findet man überall ein heidnisches Fruchtbarkeitssymbol, den Grünen Mann. Wir Iren freundeten uns schnell an mit dem neuen Gott, aber die alten Götter - nun ja, wir wissen ziemlich sicher, dass es sie nicht gibt, aber nur zur Sicherheit, falls es sie doch gibt: Warum sollten wir sie verärgern?

Sie kombinieren gern Krimi und Übernatürliches, kommt das überall gut an?

Nein, tatsächlich habe ich in Deutschland und Skandinavien eher Probleme. Die wollen entweder das eine oder das andere, die fühlen sich unbehaglich, wenn man das verbindet. Ich glaube, katholische Leser können mehr damit anfangen. Denn es ist schwer, Katholik zu sein und gleichzeitig total rational.