1979 wurde dem Schriftsteller Milan Kundera seine tschechische Staatsbürgerschaft entzogen. Nun, 40 Jahre später, hat sie der mittlerweile in Paris lebende 90-jährige Autor zurückerhalten.

Der tschechische Botschafter in Paris, Petr Drulak, hat Kundera das Dokument in der Pariser Wohnung des Schriftstellers übergeben, berichtete tschechische Tageszeitung "Pravo" (Dienstag-Ausgabe). Kundera habe ein Angebot von Premier Andrej Babiš angenommen, so Drulak. Babiš sei im Laufe seines Besuches in Paris im November 2018 bei einem Mittagessen mit Kundera zusammengetroffen und habe ihn gefragt, warum er nicht tschechischer Staatsbürger sei. Kundera habe damals darauf noch nicht reagiert, sagte der Diplomat.

In Ungnade gefallen

Kundera war einst Mitglied der kommunistischen Partei. Als er 1975 eine Einladung der Universität Rennes erhielt, konnten er und seine Frau ungehindert ausreisen. Seither lebt Kundera in Frankreich, wo er später an der Universität in Paris lehrte. Sein 1978 veröffentlichter Roman "Das Buch vom Lachen und Vergessen", eine kritische Auseinandersetzung mit dem Kommunismus sowie seiner eigenen kommunistischen Vergangenheit, verursachte einen Konflikt mit der tschechischen Staatsführung, der im Entzug seiner tschechischen Staatsbürgerschaft gipfelte. Daraufhin nahm Kundera 1981 die französische Staatsbürgerschaft an.

Seit 1993 schreibt Kundera seine Bücher in französischer Sprache und hat Übersetzungen in die tschechische Sprache verboten.

Mit Tschechien pflegt Kundera die Kontakte nur mit einem Kreis von dortigen Freunden. In seine frühere Heimat reist er nur selten und Inkognito. 2008 tauchten in Medien Spekulationen auf, wonach Kundera einst einen antikommunistischen Aktivisten bei der Polizei angezeigt haben soll. Kundera wies die Vorwürfe strikt zurück.

Kundera wurde bekannt durch "Das Buch der lächerlichen Liebe" (1969). Sein kommerziell erfolgreichstes Buch ist "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" (1984), das auch verfilmt wurde. (apa)