Nachdem ich einige Jahre lang die Kunstakademie in Wien und die Kunsthochschule in Berlin besucht hatte, beschloss ich, mich als fertig ausgebildeter Maler und Grafiker zu betrachten, und ging 1964 wieder zurück nach Graz.

In Graz hatte sich seit meinem Weggang viel geändert. Besonders die in den frühen sechziger Jahren erfolgte Gründung des Forum Stadtpark erwies sich für eine ganze Generation junger bildender Künstler, Musiker und vor allem junger Schriftsteller als wahrer Glücksfall.

Alfred Kolleritsch gab am Forum das damals wohl bedeutendste deutschsprachige Literaturmagazin, die "Manuskripte", heraus und bot damit jungen Autoren wie Wolfgang Bauer, Gerhard Roth, Klaus Hoffer, Reinhard P. Gruber, Barbara Frischmuth und Peter Handke, aber auch älteren wie H.C. Artmann und vielen anderen, auch deutschen und Schweizer Autoren, ein ausgezeichnetes Podium, um zu publizieren.

Peter Pongratz Der 1940 in Eisenstadt geborene Maler arbeitete schon früh mit Schriftstellern wie Wolfgang Bauer, Handke und Gerhard Roth zusammen. apa/Essl Museum/Cédric Kaub - © APA/ESSL MUSEUM/CDRICKAUB
Peter Pongratz Der 1940 in Eisenstadt geborene Maler arbeitete schon früh mit Schriftstellern wie Wolfgang Bauer, Handke und Gerhard Roth zusammen. apa/Essl Museum/Cédric Kaub - © APA/ESSL MUSEUM/CDRICKAUB

Im Untergeschoß des Forum Stadtpark hatte ich zusammen mit Mario Decleva eine kleine Werkstatt für manuelle Druckgrafik eingerichtet. Offensichtlich war ich damals der einzige Maler in Graz, der wusste, wie man lithografiert oder Kupfer tiefdruckt und daher konnte ich auch anderen interessierten Forum-Malern die dazu nötigen Techniken beibringen.

Abscheu von Dogmen, Skepsis gegenüber Gemeinplätzen

Vor unserer kleinen Druckerei befand sich ein größerer Raum, der vor allem für Versammlungen oder Dichterlesungen benutzt wurde, sowie das Redaktionszimmer der "Manuskripte". In diesem Redaktionszimmer schrieb Peter Handke gerade seinen ersten Roman, "Die Hornissen".

Wir arbeiteten also Tür an Tür, trafen uns praktisch jeden Tag, sprachen miteinander und schlossen Freundschaft. Ich bewunderte nicht alleine seine Bildung, die um einiges vielfältiger und weiter gespannt war als meine, vor allem aber seinen nonkonformistischen Geist. Uns gemeinsam war eine ausgeprägte Skepsis gegenüber Vorurteilen und Gemeinplätzen und eine tiefe Abscheu vor Dogmen und Denkvorschriften wie zum Beispiel die damals gerade in Mode gekommenen ikonoklastischen Prognosen bezüglich einer als obsolet denunzierten Malerei. Ein Malverbot also wie in der Nazizeit, diesmal von mediokren Avantgardisten verkündet.

So etwas Ähnliches, eine modische Literaturfeindlichkeit gab es natürlich auch. So verstieg sich zum Beispiel der damals angesehene Schriftsteller Herbert Eisenreich anlässlich einer Lesung seiner Werke im Forum Stadtpark zu der todschicken Behauptung, Romane zu schreiben sei überholt und nicht mehr zeitgemäß und ab jetzt dürfe man eben keine Romane mehr schreiben. Peter Handke, der sich während dieser Diskussion im Hintergrund gehalten hatte, sprang förmlich aus seiner dunklen Ecke und antwortete auf diese läppische und vom Zeitgeist geprägte Phrase ziemlich scharf und laut: "ICH SCHON!"