Ihr Geburtsort Hallein bei Salzburg bietet das perfekte Hintergrundrauschen. Die Schriftstellerin Mareike Fallwickl wurde 1983 dort geboren und vor allem ihr Debütroman ist tief in dieser waldreichen Bergregion verankert. Unter anderem, weil die lebenslange Freundschaft, die darin im Zentrum steht, an einem weniger abgelegenen Ort wohl nie zustande gekommen wäre.

In "Dunkelgrün, fast schwarz" lernen Moritz’ und Raffaels Mutter einander auf dem Spielplatz kennen, als die Buben drei Jahre alt sind. Marie, die Mutter von Moritz, ist kürzlich mit ihren zwei Kindern von Wien in das Dorf gezogen, ihr Mann Alexander will folgen, wenn er sein Medizinstudium beendet hat. Freundinnen werden die Frauen nie, aber zwischen ihren Söhnen entwickelt sich eine enge, doch vergiftete Freundschaft.

Aura eines Menschen

Moritz sieht bei jedem Menschen eine farbige Aura, die sich je nach dem Gemütszustand der betrachteten Person ändern kann. Dunkelgrün, fast schwarz ist nicht nur der Wald, in dem sich Moritz und Raffael als Kinder und Jugendliche herumtreiben. Dunkelgrün, fast schwarz ist auch Raffaels Aura, als er sich kurz vor dem furiosen Finale des Romans bei Moritz und seiner schwangeren Freundin Kristin einnistet. Bevor Moritz klar zu sehen beginnt, ist Raffael für ihn "knospengrün, raupengrün, wie Zuckererbsen in ihrer frisch geöffneten Schote, an manchen Tagen limonenhell".

Moritz hört auch Möbel und Bäume sprechen. Das Anderssein macht ihn einsam, und Raffael hat ihm immer wieder versichert, er sei sein Freund - zugleich verhält er sich jedoch ambivalent und missbraucht seine Macht über Moritz jahrelang auf perfide Weise. Zum eindringlichen und beklemmenden Grundton des Debüts tragen auch die mythenumwobene Landschaft, die Langeweile im Dorf und die Überforderung von Müttern, die von ihren Männern mit der Erziehung allein gelassen werden, bei.

Insofern ist "Dunkelgrün, fast schwarz" - wie übrigens auch sein Nachfolger - auch ein feministisches Buch. Und es geht um Selbstfindung, Selbstdefinition ohne Rücksicht auf gesellschaftliche Konventionen.

In Mareike Fallwickls zweitem, heuer erschienenen Roman "Das Licht ist hier viel heller" entsteht ebenfalls ein Sog auf verschiedenen Ebenen. Und die Sprache ist ein Genuss, sehr heutig und direkt. Für jede Perspektive hat die Autorin einen eigenen, überzeugenden Ton gefunden: einmal cool, fast brutal, dann wieder nachdenklich und sinnlich. Während vor allem im ersten Roman erdige Wörter wie "schlatzig" und "Gatsch" noch tiefer in die österreichische Provinz hineinziehen, spiegelt sich hier dagegen die moderne Kommunikation in Hashtags.