Unsympathischer Held

In Fallwickls Debüt war die Hauptfigur Moritz ein schwacher, empfindsamer Mann - im zweiten Roman ist der Protagonist Maximilian Wenger ein ignoranter, frauenverachtender Unsympathler. Einst war er ein Bestsellerautor, nun fehlt ihm die Inspiration. Seine Frau hat ihn nach vielen Affären endlich gegen ihren Fitnesstrainer eingetauscht, seine Kinder haben auch kein Interesse an ihm, weil er früher nie für sie da war und sie auch jetzt nicht wirklich wahrnimmt. Würde seine Schwester sich nicht um ihn kümmern und sein Agent ihm keinen Druck machen - Maximilian würde in seiner kleinen Wohnung vergammeln. Erst als er poetische, herzzerreißende Briefe einer Unbekannten an den Vormieter liest, reißt ihn das aus seiner Lethargie.

Elternlose Tochter

Seine Tochter Zoey ist gerade achtzehn geworden und fühlt sich elternlos, weil ihre Mutter dem Fitnesswahn verfallen ist, um mit ihrem jüngeren Liebhaber mithalten zu können, und mit Zoey für sich und ihren Online-Shop werben will. Der Vater ist nicht einmal im Notfall telefonisch erreichbar und überhaupt scheinen Zoey und Maximilian kein Gespür füreinander zu haben: "Dann wendet er sich im selben Moment ab und trinkt sein Bier aus, als wäre er an meiner Antwort nicht interessiert. So ist das mit ihm. Er ist eine Tür, und ich probiere einen Schlüssel nach dem anderen, einen ganzen verfickten Schlüsselbund hab ich, und keiner passt." Außerdem ist Zoey noch unglücklich in ihren Jugendfreund verliebt und muss erleben, dass ein älterer Kollege sie beinahe vergewaltigt.

Das Ringen um das richtige Maß an Nähe und Distanz, Abhängigkeit, Machtmissbrauch und Unterwerfung, aber auch Schweigen, Lügen und Aneinandervorbeireden zwischen Männern und Frauen und zwischen Eltern und Kindern sind hier große Themen. Dennoch ist dieser Roman oft komisch, vor allem solange Wenger die Kontrolle über sein Leben verloren hat.