Geht es nach dem vorläufigen Zeitplan der Nobel-Stiftung, wird Peter Handke heute in Stockholm kurz nach 17.17 Uhr Urkunde und Medaille zu seinem Literaturnobelpreis in Händen halten. Auch der Sitzplan für das anschließende Bankett ist nun bekannt: Die Literaturnobelpreisträgerin 2018, Olga Tokarczuk, hat die Ehre, neben Schwedens König Carl XVI. Gustaf und vis-a-vis von Königin Silvia zu sitzen.

1.560 geladene Gäste - darunter nur zwölf internationale und sieben nationale Printjournalisten - dürfen der um 16.30 Uhr beginnenden Zeremonie im Konzerthaus von Stockholm beiwohnen. Hier werden seit 1926 mit wenigen Ausnahmen die Nobelpreise vergeben. Lediglich der Friedensnobelpreis wird am selben Tag traditionell im Rathaus in Oslo verliehen. Die Kleiderordnung bei der Nobelpreisverleihung ist strikt: Frack für die Männer, Abendkleid für die Damen.

Auf der Bühne nehmen rund 90 Personen Platz, darunter neben früheren Preisträgern auch Mitglieder der Schwedischen Akademie der Wissenschaften, der Nobelkomitees des Karolinska-Instituts und der Schwedischen Akademie sowie des Aufsichtsrats der Nobel-Stiftung. Gegenüber von König und Königin, sowie von Kronprinzessin Victoria und Prinz Daniel sitzen auf der Bühne in der ersten Reihe die heuer zwölf Preisträger und zwei Preisträgerinnen, die nach dem Eintreffen der königlichen Familie zu den Klängen von Mozarts Marsch in D-Dur KV 249 feierlich einziehen. Neben Olga Tokarczuk ist die Ökonomin Esther Duflo die zweite Frau und eine der drei Laureaten des Nobelpreises für Wirtschaftswissenschaften. Dieser geht nicht auf Alfred Nobels Testament zurück, sondern wurde von der Schwedischen Reichsbank ins Leben gerufenen und wird erst seit 1969 verliehen.

Proteste angekündigt

In den ersten Reihen des Publikums sitzen Prinz Carl Philip, die Prinzessinnen Sofia und Madeleine, die Familien der Preisträger (jeder Preisträger und Lebensgefährte kann 14 Einladungen nach Stockholm aussprechen), Repräsentanten der die Preise vergebenden Institutionen, Mitglieder der Schwedischen Regierung und des Reichstags sowie das Diplomatische Korps. Die Botschafter des Kosovos, Albaniens und der Türkei haben im Vorfeld ihr Fernbleiben angekündigt, um dadurch ihren Protest gegen die Zuerkennung des Literaturnobelpreises 2019 an Handke auszudrücken. Der Autor ist an den wegen seiner Haltung zu Serbien und Jugoslawien umstritten. Proteste von bosnischen Kriegsopferverbänden sind vor dem Gebäude angekündigt.

Der Präsident des Verwaltungsrates der Nobel-Stiftung, Carl-Henrik Heldin, wird um 16.34 Uhr die Eröffnungsrede halten. Danach werden die Nobelpreise in Physik, Chemie, Medizin, Literatur und Wirtschaftswissenschaften verliehen, wobei jedem Preisträger bzw. Preisträgerteam eine kurze einführende Würdigung vorangeht. Jene auf Olga Tokarczuk hält der Autor Per Wästberg, Mitglied der Schwedischen Akademie, jene auf Peter Handke der Vorsitzende des Nobelkomitees der Schwedischen Akademie, Anders Olsson. Nach der Übergabe von Urkunde und Medaille an Handke intoniert das Royal Stockholm Philharmonic Orchestra unter David Björkman Edward Elgars "Liebesgruß".

Im Anschluss Festbankett im Stockholmer Rathaus

Der Blumengruß kommt heuer übrigens aus Sanremo und umfasst 25.000 Blumen, darunter gelbe, weiße, cremefarbene und aprikosenfarbene Nelken, Chrysanthemen, Orchideen und Rosen. Alleine für die 15 Quadratmeter große Blumenwand im Zentrum der Bühne benötigt man 9.000 Blumen. Nach dem offiziellen Ende der Zeremonie, das für 17.37 Uhr erwartet wird, dürfen Familien und Freunde zur Gratulation auf die Bühne. Viel Zeit zum Jubeln bleibt jedoch nicht, ist doch bereits für 18.30 Uhr das Eintreffen und Begrüßen der ersten Gäste im Stockholmer Rathaus avisiert, wo das Festbankett für 1.350 Geladene stattfindet. Es werde keine Zeit zum Anlegen anderer Garderobe geben, hat die Nobel-Stiftung vorsorglich gewarnt.

88 Plätze bietet der Ehrentisch, an dem auch die Nobelpreisträger Platz nehmen. Nach Einzug dieser Ehrengäste zu Orgel- und Trompetenklängen wird der erste Champagner laut Plan um 19.13 Uhr serviert, gefolgt von einem Toast, den der Schwedische König im Andenken an Preisstifter Alfred Nobel (1833-1896) ausbringt. Peter Handke sitzt laut der offiziellen Sitzordnung neben Caroline Parmelin, der Gattin des Schweizer Ministers für Wirtschaft, Bildung und Forschung, Guy Parmelin, und Helena Norlen, der Gattin von Reichstagssprecher Andreas Norlen, sowie gegenüber von Bengt Samuelsson, dem Medizinnobelpreisträger von 1982. Tokarczuk dagegen ist förmlich in die Königliche Familie aufgenommen, sitzt doch zu ihrer Rechten der König, zu ihrer Linken Prinz Daniel und ihr gegenüber die Königin.

Speisefolge bis zum Beginn geheim

Was an den insgesamt 65 Tischen in der Blauen Halle des Rathauses (wo das Bankett seit 1974 abgehalten wird) serviert wird, wird erst mit Beginn des Banketts um 19 Uhr veröffentlicht. Ersonnen wurde die Speisefolge von Sebastian Gibrand (Vorspeise und Hauptgang) und Daniel Roos (Dessert). Chef de Cuisine bei seinem bereits 17. Nobel-Bankett ist Gunnar Eriksson, der 40 Köche und 190 Kellnerinnen und Kellner unter sich hat. Diese müssen an diesem Abend über 9.500 Teile Porzellangeschirr, 5.400 Gläser und 9.450 Besteckteile bewegen.

Um 22.30 Uhr beginnt der letzte Programmpunkt, zu dem die Nobelpreisträger beizutragen haben: Während Kaffee und Likör serviert werden, werden sie von Toastmaster Sara Tabari ersucht, kurze englische Dankesworte an die Gäste zu richten, wobei für jede Preiskategorie nur jeweils ein Laureat das Wort ergreifen darf. Handke ist als Vorletzter - vor Esther Duflo - an der Reihe. Gegen 23.02 Uhr wird das Signal erwartet, dass sich die Gäste von den Tischen erheben dürfen. Danach kann in der Goldenen Halle getanzt werden. Es spielt das Laszlo Royale Dance Orchestra. (apa)