Dass die Autorin Sophia Langner (der Name ist ein Pseudonym) nach ihrem Geschichte-, Germanistik- und Anglistikstudium nun an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz tätig ist, passt gut ins Bild ihres Romandebüts: Sie erzählt nämlich die Geschichte der Tübinger Buchdruckerin Magdalena Morhart, die anno 1554 nach dem Tod ihres Mannes weder die Druckerei verkaufte noch einen anderen Buchdrucker heiratete, sondern gegen alle Konventionen das Geschäft selbst weiterführte. Und das als Frau! Na, mehr hatte die Tübinger Gesellschaft nicht gebraucht. Dazu kam die lautstarke Gegenwehr ihres Stiefsohnes, der die Druckerei für sich haben wollte, aber zumindest im Roman als unfähig dargestellt wird.

Letzteres mag sich die Autorin als künstlerische Freiheit herausgenommen haben, das meiste an Fakten in ihrem Buch ist jedoch verbrieft, wie sie im Nachwort betont: Die Druckerin und ihre Familie gab es wirklich; ebenso die 1000 Stück des Landrechts zu je rund 300 Seiten (eine wirklich beeindruckende Zahl), das sie binnen weniger Monate für Herzog Christoph von Württemberg druckte, und zwar inmitten einer Pest-Epidemie, wegen der Tübingen geräumt wurde; und auch die Widerstände gegen die "Herrin der Lettern" (so der Buchtitel), die unter anderem als Frau keine Lehrlinge ausbilden durfte, gab es ganz sicher.

510 Seiten umfasst der historische Roman (dazu kommen noch ein Dutzend Seiten erläuternde Anmerkungen), dem eine akribische Quellenstudie vorausgegangen sein muss. Dass die Autorin auch ganz bewusst neumodische Worte nicht benutzt und gleichzeitig versucht, die alte Sprache des 16. Jahrhunderts ins heute so zu übertragen, dass der Text trotzdem flüssig zu lesen ist, fällt dem Leser eigentlich erst am Ende auf, als sie darauf hingewiesen hat. Davor hat man einfach einen spannenden, auch sprachlich ansprechenden Roman gelesen, in dem freilich auch ein bissche Fantasie steckt, was die Gefühlswelt der Charaktere betrifft, die ja im historischen Rückblick nicht fundiert untersucht werden kann. Aber was wäre auch ein historischer Roman ohne die eine oder andere Liebelei und Intrige? Auch die eine oder andere gefährliche Szene ist dabei.

Die Autorin setzt jedenfalls das Emanzipationsthema gut in den historischen Kontext und verwebt es mit allerlei wissenswerten Details zur Entwicklung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern, zum Kampf gegen die Pest und zu den gesellschaftlichen Auswirkungen der Reformation und Gegenreformation. Es ist kein billiger Groschenroman, sondern eine ansprechende Erzählung, die nicht nur weibliche Leser gut unterhält.