Der Einstieg ist natürlich gemein. Weil Stefan Kutzenberger, Jahrgang 1971, zuletzt ein "Literatur Quiz" in Buchform vorgelegt hat - wir kommen darauf noch zu sprechen -, macht eine Rätselfrage auch den Beginn des Treffens mit dem Autor in einem Wiener Kaffeehaus. Welcher US-Schriftsteller beendete seinen Debütroman mit den drei folgenden Sätzen? "Am nächsten Morgen war die Nacht vorbei, und ich war noch am Leben. Vielleicht schreibe ich einen Roman, dachte ich. Und dann schrieb ich ihn."

Wir einigen uns darauf, dass es sich dabei jedenfalls um ein sehr schönes Romanende handelt - und kommen zum Wesentlichen. Während Charles Bukowski (ja, der!) sein Publikum in "Der Mann mit der Ledertasche" 1971 erst am Ende, also im Nachhinein über den autobiografischen Entstehungshintergrund seines Romans informierte, wohnt man der Genese von Stefan Kutzenbergers spätem Debütroman von Anbeginn bei - Stichwort Metaebene. "Friedinger", im Vorjahr veröffentlicht, bringt uns die Figur Kutzenberger näher, der von seiner Ehefrau einen Schreiburlaub in Griechenland geschenkt bekommt, wo sich aus drei angedachten Romanprojekten eines manifestieren soll.

Allerdings sorgen die Begegnungen mit einer jungen Französin (frage nicht!) und eben Friedinger, der bei diversen gemeinsamen Bieren mit einer in Kutzenbergers Geburtsstadt Linz angesiedelten Geschichte den eigentlich besseren (Kriminal-)Romanstoff mündlich überliefert, außer für Irritation auch für Ablenkung. Kutzenberger (der literarische) dazu im Roman: "Das Einzige, das noch lächerlicher ist als ein unpublizierter Autor, ist ein Autor, der nicht schreibt."

Reizvolles Spiel

Wie hat nun der Weg des - echten - Stefan Kutzenberger in die Literatur ausgesehen? Und was hat schließlich dazu geführt, dass mitten im fünften Lebensjahrzehnt des Autors dann doch noch sein erster Roman erschienen ist? Kutzenberger bei einem Kakao: "Grundsätzlich habe ich mich an die Literatur als Leser angenähert. Als ich mit 14 einen Roman verschlungen und danach herausgefunden habe, dass die Autorin erst 15 Jahre alt war, hat es klick gemacht. Ich habe noch am selben Nachmittag damit begonnen, an einem Buch zu schreiben. Meine Eltern sind schließlich vor ein paar Jahren von Linz nach Wien übersiedelt - das kommt ja auch in ,Friedinger‘ vor -, und ich habe das Manuskript beim Kellerausräumen wiedergefunden. Es ist durch und durch lächerlich, aber ein Beleg dafür, dass ich schon damals Schriftsteller werden wollte.