Das Leben auf einem Bauernhof kennt Marieke Lucas Rijneveld aus eigener Erfahrung. - © Wikimedia Commons
Das Leben auf einem Bauernhof kennt Marieke Lucas Rijneveld aus eigener Erfahrung. - © Wikimedia Commons

Die junge niederländische Autorin Marieke Lucas Rijneveld (Jahrgang 1991) veröffentlichte 2015 ihren preisgekrönten Lyrikband "Kalfsvlies", der zweite Band namens "Fantoommerrie" ist dieses Jahr erschienen, ebenso wie ihr Debütroman "Was man sät". Rijneveld wuchs in einer reformierten Bauernfamilie auf, und wenn sie nicht schreibt, arbeitet sie immer noch auf einem Milchhof. Auf einem solchen spielt ihr Roman.

Zu Beginn werden die zehnjährige Jas und ihre Geschwister von ihrer Mutter gegen den Frost mit Eutersalbe eingerieben. Jas ekelt sich vor dem Geruch genauso wie vor der gelblichen Rahmschicht auf der frischen Kuhmilch, die sie jeden Morgen trinken müssen. Rechnen wird sie niemals lernen, glaubt die junge Antiheldin, trotz der vielen Stunden, die ihr Vater mit ihr geübt hat - aber mit der Natur kennt sie sich aus. Die Kühe seien oft verliebt, erzählt sie ihren Freunden, den Kröten, die sie in einem Eimer hält.

Und sie hat ein Kaninchen, das ihr Vater kurz vor Weihnachten mästet. Jas fürchtet, es als Feiertagsbraten serviert zu bekommen, und bittet Gott in einem schwachen Moment, stattdessen ihren älteren Bruder Matthies zu sich zu nehmen. Dann bricht Matthies beim Schlittschuhlaufen ins Eis ein und stirbt. Und Jas ist alleine mit ihrer Trauer, wie alle in dieser orthodox-calvinistischen Familie.

Rijneveld beschreibt eine archaische, arbeits- und entbehrungsreiche Welt sehr plastisch aus Kindersicht, mit zahlreichen, manchmal in ihrer Unverblümtheit oder in ihrer Skurrilität überraschenden Metaphern. Die Kühe bekommen mehr Aufmerksamkeit als die Kinder, also muss Gott auf Jas und ihre Geschwister aufpassen. Vielleicht ist der Fernseher Gottes Auge und Matthies wäre noch am Leben, wenn die Türen des Fernsehschranks an jenem Tag offen gewesen wären. Aber der Glaube rettet nicht nur Leben, er kann auch direkt zum Tod führen. Und auch dann ist es gut, wenn man nicht alleine ist.