In ihrem Städtchen waren sie Könige, die Mitglieder der Familie Cardinal in Jocelyne Sauciers Roman. - © Dan Harasymchuk
In ihrem Städtchen waren sie Könige, die Mitglieder der Familie Cardinal in Jocelyne Sauciers Roman. - © Dan Harasymchuk

"Unsere Familie ist das Glück meines Lebens", verkündet eine Erzählstimme zu Beginn von Jocelyne Sauciers zweitem Roman, "Niemals ohne sie". "Wir sind wie niemand sonst, wir haben uns selbst erschaffen, wir sind einander unentbehrlich, unvergleichlich und unangepasst, die einzigen unserer Art." So sehr das nach Verklärung klingt - das Leben der Familie Cardinal mit ihren 21 Kindern war alles andere als idyllisch. Vor den 1960er Jahren fühlten sich ihre Mitglieder als "die Könige von Norco", führten jedoch ein hartes, grobes Leben. Das Städtchen Norco in der kanadischen Einöde verdankte seine Existenz allein der Mine, der Vater der Cardinals hatte einst das Zinkvorkommen entdeckt. Als die Mine schloss, zerfiel Norco und die Familie verlor den Halt. Jahrzehnte später kommen die Mitglieder anlässlich einer offiziellen Ehrung des Vaters wieder zusammen.

Saucier erzählt die Familiengeschichte mit Fokus auf den damaligen Bruch überlappend aus der Perspektive mehrerer Geschwister. Spannend ist neben der schrittweisen Enthüllung eines großen Geheimnisses, wie die einstige Journalistin Saucier die Verstrickungen entwirrt. Ein ungewöhnlicher Familienroman, der fesselnd konstruiert ist und eine archaische Welt mit der modernen verbindet.