In seinen Romanen stellt Hans Platzgumer, dessen Reputation als Schriftsteller seinen früheren Nimbus als international wirkmächtiges Wunderkind der österreichischen Indie-Rock-Szene längst egalisiert hat, Menschen in Extremsituationen dar: Menschen, die ihr Leben beenden wollen oder dieses gegen feindliche Umwelteinflüsse wie extreme Kälte, radioaktive Strahlung oder Erdbeben zu verteidigen haben.

In seinem neuen Buch versucht der mittlerweile 50 Jahre alte Tiroler, der heute mit Frau und zwei Kindern in Bregenz und Wien lebt, das Leben an sich und also in ihm einen Sinn zu ergründen.

Als eine Art Leitmotiv begleitet ihn dabei der Song "Dear Prudence" vom "Weißen Album" der Beatles. Unter dem Eindruck des Indien-Trips zu Guru Maharishi entstanden, appelliert John Lennon darin an Mia Farrows Schwester Prudence, sich der Welt zu öffnen, statt sich zurückzuziehen und in Mediation zu versenken.

Darin sieht Platzgumer Parallelen zu heute, wo die digitale Sphäre viele Fluchtwege aus der realen Welt eröffnet und somit die Auseinandersetzung mit ihr erspart. Platzgumer erlebt die Absurdität dieser Dichtotomie am Beispiel seiner Kinder, die völlig unbeeindruckt von einem Kamelritt über die Dünen der marokkanischen Sahara bleiben, aber begeistert von den dabei gemachten Fotos sind.

Der Autor aber will sich, wie er das im Vorwort recht schön ausdrückt, der "Unausweichlichkeit des Lebens" stellen. Und eine Erklärung finden, warum es trotz entmutigender, dem Anschein nach immer schlimmer werdender Probleme wie Populismus, der stetig wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich und Konfliktpotenzialen extremsten Ausmaßes tatsächlich noch Lebens-wert ist. Dafür wühlt er im Fundus der eigenen Biografie, schildert, wie er als Kind und Jugendlicher mit einem Freund ohne die Wunder der Computertechnik seine eigene Virtual Reality kreiert hat, erinnert sich an seine Zeit als potenzieller Rockstar in New York oder beschreibt seine Reisen, als er zum Beispiel auf dem Boden eines überfüllten Zuges auf Ceylon in den Augen eines kranken Kindes das Schönste erblickt, das er je gesehen hat.

Seine Erfahrungen führen Platzgumer zu Erkenntnissen über den realitätsverankernden Charakter unentfremdeter Arbeit, die stressausgleichende Wirkung von Yoga und Atemübungen oder die Sinnhaftigkeit unterschiedlicher Aussteiger-Modelle. Entlang des Weges liegen pointierte An- und Einsichten wie: "Das Smartphone ist unser digitaler Schnuller." Oder: "Etwas als schön zu empfinden, heißt, sich daran gewöhnt zu haben." Und ein recht lakonisches Fazit seines eigenen Lebens: "Meine Freunde und ich schworen uns, nicht älter als 21 zu werden. Manche hielten den Schwur. Ich vergaß ihn im Rausch der Ereignisse."