Stefan Slupetzkys neuester Lemming-Krimi ist wohl sein bisher härtester. Nicht nur, weil der Zoo-Nachtwächter Leopold Wallisch alias der Lemming in einen massiven Shitstorm gerät, sondern weil vor allem zuvor (Cyber-)Mobber einen Elfjährigen in den Suizid getrieben haben. Und weil der Lemming live dabei war, steckt er plötzlich mittendrin in dem daraus folgenden Skandal und wird vom Internet-Mob als "pädophiler Lustgreis" gejagt, was ihn auch prompt den Job kostet. Virtuelle und analoge Realität vermischen sich bald zu einer einzigen Tragödie, in der der Lemming seinen Spitznamen Lügen straft: Weil er sich nämlich gegen den Strom stemmt und gemeinsam mit seinem Spezl, dem (bald Ex-)Polizisten Polivka, die Mobbing-Hintermänner aufzuspüren versucht, um seinen Namen wieder reinzuwaschen.

Slupetzky inszeniert eine brutale, leider nur allzu realistische Geschichte über die Brutalität des menschlichen Geistes, in die er auch das Asylthema mit hineinpackt, das einer der Motoren der Handlung ist. Der Autor kann es sich dabei nicht verkneifen, auch gleich zu einem sehr, sehr vollflächigen Rundumschlag auf die vergangene türkis-blaue Regierung auszuholen, wodurch das Ganze allerdings etwas überladen wirkt. Was schade ist, weil man immer wieder versucht ist, ein paar Seiten zu überblättern, wenn seine Figuren wieder einmal elendslang politisieren, anstatt die an sich schon turbulente Handlung (die es diesmal wirklich in sich hat und Lemming-Fans an den Rand der mitfühlenden Verzweiflung bringt) voranzubringen.

Stefan Slupetzky: Im Netz des Lemming
Haymon; 200 Seiten; 19,90 Euro