Geir Gulliksen ist Autor und Verleger. - © CC/Bengt Oberger
Geir Gulliksen ist Autor und Verleger. - © CC/Bengt Oberger

Ein Mann erinnert sich an seine Ehe. An die Liebe, Zärtlichkeit und Freundschaft zwischen ihm und seiner Frau, an ihre Rituale, an das Zusammensein in ihrem Haus und wie sie sich in verschiedenen Lebensphasen miteinander fühlten. Der norwegische Schriftsteller Geir Gulliksen vermittelt den Lesern seines Romans "Geschichte einer Ehe" sehr intime Einblicke in Kopf und Seele seines Protagonisten. Lange hatten er und seine Frau eine lebendige, offene Beziehung; sie vertrauten einander, sie erzählte ihm auch vom Interesse anderer Männer, auch von dem, der später immer mehr Raum einnahm.

Der Erzähler versucht, sich möglichst detailliert an ihre gemeinsamen Jahre, an die sich einschleichende Entfremdung und an seine Eifersucht zu erinnern. Wie schnell doch die Erinnerung an sie als Paar schwindet! Wie war es für seine Frau, als sie den ebenfalls verheirateten Nachbarn näher kennenlernte? Als die beiden zusammen durch den Wald liefen, einander erforschend, sie in dem Bewusstsein, glücklich verheiratet zu sein, und doch ließ sie die Welt, die sie mit ihrem Mann teilte, hinter sich. Dieser konnte ihr nur noch mit Blicken folgen und hatte sie schon verloren, als die Angst von ihm Besitz ergriff. Wen Geir Gulliksens liebevolles und einfühlsames Porträt einer Ehe, in die ein Dritter einzieht, nicht rührt, der muss ein Herz aus Stein haben.