Der Comic "Der Pavillon - Mord an der Promenade Le Corbusier" des Schweizers Andreas Müller-Weiss (Edition Moderne) dreht sich zum einen um das einzige wie einzigartige Bauwerk des schweizerisch-französischen Architekten in seinem ersten Heimatland: Der "Pavillon Le Corbusier", bis 2016 "Heidi Weber Museum - Centre Le Corbusier", ist das letzte Bauwerk des Architekten und wurde im Auftrag der Galeristin Heidi Weber 1968 am Zürichsee errichtet. Die panelartig bunten Fassaden des Pavillons erscheinen wie Seitenaufrisse eines Comics, was sich in der farbenfrohen Aquarellkolorierung des Comics widerspiegelt. Zum anderen spielt der Comic an der Côte d’Azur, wo Le Corbusier (1887-1965) seine Urlaubstage verbringt: Im Zentrum ist nicht die Bürohütte des Architekten, sondern die von Eileen Gray und ihrem Geliebten Jean Badovici entworfene Villa "E.1027". An dieser hat Le Corbusier in Abwesenheit und ohne Einverständnis der Architektin große Wandgemälde angebracht. Diese wohl einmalige Art der Besitzergreifung, in der sich nicht zuletzt Le Corbusiers Neidgefühl angesichts der Eleganz des Bauwerks ausdrückt, ist nur eine Episode im Comic. Die Villa ist schließlich der Ort, an dem der angekündigte Mord - oder sind es doch zwei Morde? - stattfindet. Müller-Weiss hat um einige völlig faktengestützte Ereignisse einen spannenden Krimi geschrieben, den man auch als Hommage an Heidi Weber lesen kann. Ihr ist es zu verdanken, dass es den Pavillon überhaupt gibt.

Benjamin Swiczinskys und Max Grubers Comic "Schwanzer. Architekt aus Leidenschaft" (Birkhäuser) widmet sich einem österreichischen Architekten, dessen Bauwerke zwar Kult sind, dessen Name allerdings im kollektiven Gedächtnis Österreichs keineswegs vorhanden ist. 1973 bringt Karl Schwanzer (1918-1975) unter dem Titel "Architektur aus Leidenschaft" sein geistiges Vermächtnis heraus. Der Comic erzählt die Geschichte der Entstehung dieses Buchs. Kritische Konfrontationen sind damit nicht beabsichtigt, etwa Schwanzers Annäherungen an die Nazibehörde, die zwar erwähnt, aber mit einer bemerkenswert unschuldigen Geste beiseite gewischt wird. Trotz einiger Ungelenkigkeit und seiner konventionellen Darstellungsart schafft es der Comic, die Bedeutung dieses Architekten ins Bewusstsein zu rücken. Neben seiner Leidenschaft als Architekt kommt seine Leidenschaft als Lehrender sowie seine Reiseleidenschaft einprägsam zum Ausdruck. Schwanzer war prädestiniert, Österreich für neue Einflüsse empfänglich zu machen und eine ganze Generation von jungen Architekturbüros wie Coop Himmelb(l)au, Haus-Rucker-Co, Missing Link oder ZÜND-UP mit seiner Begeisterung anzustecken und anzuregen.

Auf labyrinthischen Wegen

Im Unterschied zu den bisherigen Comics hegt der französische Zeichner Lucas Harari in seinem Comicthriller "Der Magnet" (Edition Moderne) keine kunst- oder architekturgeschichtlichen Absichten. Allerdings entwirft Harari seinen Spannungsbogen so eng um Peter Zumthors Therme im Graubündner Bergdorf Vals, dass die vielschichtige Architektur zu einer Hauptakteurin wird. Sie übt eine besondere Anziehungskraft auf den Architekturstudenten Pierre aus, der einem Rätsel hinter den Mauern der Therme auf der Spur ist. Sein Studium hat er hingeworfen, nun fährt er in die Schweizer Alpen, um das dunkle Geheimnis zu lüften. Bereits unterwegs begegnet Pierre, seinem Gegenspieler, der demselben Rätsel nachjagt und eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit dem Philosophen Michel Foucault aufweist. Damit gibt der Zeichner einen Hinweis auf seine Auseinandersetzung mit den Heterotopien Foucaults, Orten außerhalb von Zeit und Raum (wie Friedhöfe oder Bibliotheken), zu denen er auch Zumthors geradezu sakrales Bauwerk zählt.

Die Spannung des in Ligne claire gezeichneten Comics und des geheimnisvollen Hintergrunds der Erzählung steigert sich angesichts der verwinkelten Architektur der Therme, ihrer überraschenden Durchgänge und türähnlichen Öffnungen. Die fugenlosen Verbindungen zwischen den Panels verstärken den Eindruck des Labyrinthischen. Die Panelarchitektur erscheint selbst als Irrgarten, in dem sich der Leser erst zurechtfinden muss. In dieser Unmittelbarkeit erlebt er die Erfahrungen des Protagonisten. Der Autor beschwört damit aufs Eindrücklichste den Zauber von Zumthors architektonischem Meisterwerk, den er in seiner Kindheit selbst erlebt hatte.