"Auf dem breiten und tiefen Fundament seines kunstgeschichtlichen Wissens bot jede noch so knapp formulierte Marginalie einen überraschenden und präzisen Einblick in die Kunst." Das sagte Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder, als der österreichische Kunstkritiker Kristian Sotriffer 2002 starb. Jahrzehntelang schrieb Sotriffer für die Tageszeitung "Die Presse" Kunstkritiken, auch als Verleger war er tätig.

- © Peter Baum
© Peter Baum

17 Jahre nach seinem Tod haben sich seine Freunde zusammengetan, um den vielseitigen Mann in einem liebevoll gestalteten Album zu würdigen. Hans Haider beschreibt nicht ohne Nostalgie für Zeiten, in denen Journalisten noch nicht zu "Content Makern" degradiert waren, unter anderem von Sotriffers erbittertem Kampf um seine Schreibmaschine als freier Autor der "Presse" - seine Texte mussten von einer Sekretärin ins Computersystem getippt werden. Brigitte Borchhardt-Birbaumer versucht, Sotriffers kunstwissenschaftliche Methode zu analysieren. Walter Moser, Fotografie-Spezialist der "Albertina", widmet sich einer nicht so bekannten Leidenschaft Sotriffers: Schon ab den 1960er Jahren hielt er Landschaften im Mühlviertel, im Friaul, in Slowenien und in seiner Heimat Südtirol mit der Kamera fest. Vor allem die Beziehung zwischen der Gegend und den Häusern faszinierte ihn aus kulturwissenschaftlicher Sicht. Die meisten Fotos entstanden in den 70ern und 80ern, als er als künstlerischer Leiter des Verlags Edition Tusch Bücher publizierte wie "Geformte Natur. Strukturen zwischen Acker und Haus im Alpenbereich". Seine Motive sind Berge, Wälder, Felder, Heuschober, Bauernhöfe, Zäune und Bildstöcke, nur selten verirren sich Menschen auf die Bilder. Ethnografische Überlegungen stehen im Mittelpunkt - mit einer verblüffenden Dreidimensionalität, etwa bei einer Hausmauer, die aus Flusskieseln besteht, im Friaul - man möchte drüberstreichen und die versprochene Haptik spüren. Sotriffer hat eine verschwindende Welt porträtiert - ohne im Vergleich die verdrängende Moderne abzubilden. (cb)