Der "Salon" im Haus Praterstraße Nr. 17 mit Johann Nestroy als Nachbarn. - © CC/Erich Schmid
Der "Salon" im Haus Praterstraße Nr. 17 mit Johann Nestroy als Nachbarn. - © CC/Erich Schmid

Die Praterstraße im zweiten Wiener Bezirk war einmal ein Prachtboulevard. Auch heute schlendert man hier noch auf breiten Gehsteigen, mit dem Praterstern im Rücken und der fernen Spitze des Stephansdoms vor Augen. Nur die Autos, die auf vier Spuren dahinrollen, irritieren das Flaniergefühl.

Hinter dem einstigen Palais Wenkheim, einer Dependance der Webster University, biegt der Hauptverkehr nach links ab und erreicht auf der Aspernbrückengasse den Donaukanal. Die Praterstraße führt jedoch geradeaus weiter, um schließlich auf der Unteren Donaustraße zu enden. Vom Verkehrs-Mainstream entlastet, wird sie schmäler und ruhiger. Wo die Zirkusgasse im spitzen Winkel einmündet, bildet sich ein kleiner Platz, mit einem Denkmal Johann Nestroys in der Mitte.

Der in Wien lebende kolumbianische Lyriker Darley Rojas Castañeda hat dieser Stelle das Gedicht "Nestroy-Plätzchen" gewidmet, in dem es heißt: "...und Johann mit dem Rücken zur Welt / aufmerksam wachsam / und wir nachdenkend / oder schreibend / oder die Bäume betrachtend / oder sprechend wie der Bettler / oder schauend auf das Haus Nr. 17 / der Praterstraße / wo ein Dichter-Salon seinen Platz hat..."

Urbane Nische

Diese urbane Nische ist also auch ein literarischer Ort: Links neben Nestroys Standbild steht das Haus Nr. 17: nicht sehr hoch, aber breit. Dort tagt seit mehr als 30 Jahren der "Salon", von dem Castañedas Poem berichtet. Wer sich über diese eigenwillige Kultureinrichtung genauer informieren will, kann die 2019 erschienene Anthologie "Salon 1988 bis Heute" zu Rate ziehen, der auch alle Zitate dieses Artikels entnommen sind. Der erste Teil des Bandes enthält literarische Beiträge, in denen Autorinnen und Autoren von ihren Erlebnissen im "Salon" berichten. Die Dichterin Waltraud Seidlhofer notiert dort unter anderem: "schon die umgebung das umfeld geeignet fuer texte fuer woerter", und der Philosoph Rainer Schubert erklärt: "Was im Salon sehr imponiert, ist die Internationalität der Kulturen, die dem Publikum nähergebracht werden."

Damit ist das besondere Kennzeichen des "Salons" benannt: seine Weltläufigkeit. Rund 400 Autorinnen und Autoren sind hier im Lauf der Zeit aufgetreten. Das Gesamtverzeichnis ihrer Beiträge, das den zweiten Teil der genannten Anthologie bildet, demons-triert, welch weiter Horizont sich im engsten Teil der Praterstraße aufspannt. Neben Lesungen und Performances österreichischer und ausländischer Literaten, Musiker und bildender Künstler finden hier auch immer wieder kultur- und architekturtheoretische Vorträge statt.