Eric Sanders ist 100 Jahre alt und hat den Aufstieg Adolf Hitlers in Deutschland, den die britischen Sicherheitsbehörden lange Zeit unterschätzt haben, live erlebt. Diese Erfahrungen hat der Zeitzeuge in einen zweibändigen Historienthriller verpackt, der mit dem Mord an einem britischen Agenten in München beginnt. In der Folge tritt dessen Sohn in seine Fußstapfen und sucht erstens die Mörder seines Vaters, während er zweitens ein Nazi-Attentat auf ein Mitglied des House of Lords in London verhindert. Doch das war freilich nur der Auftakt . . .

Eric Sanders, geboren am 12. Dezember 1919 als Erich Ignaz Schwarz in Wien, 1939 nach England geflüchtet und später für die Briten im Weltkriegseinsatz gegen die Nationalsozialisten und Faschisten, entwirft eine authentische Szenerie, die in mehreren Städten Europas spielt. Dabei beleuchtet er vor allem die Sicht von außen auf das neu entstehende Dritte Reich. Dass er offenbar seinerzeit selbst einschlägige Erfahrungen sammeln konnte, ist da natürlich hilfreich.

Eric Sanders Roman, der eine fiktive Geschichte in die reale historische Entwicklung von 1926 bis 1932 einbettet, hat nur leider eine gewisse Langatmigkeit, die freilich dem Umstand geschuldet sein mag, dass der Autor wohl mit fortschreitendem Alter umso mehr erzählen wollte. Und die insgesamt mehr als 800 Seiten sind in der deutschen Übersetzung auch ziemlich holprig und durch eine gewisse gestelzte Sprache etwas mühsam zu lesen. Das ist schade, weil die Handlung selbst umso spannender ist.

Zu bedenken ist dabei allerdings, dass es sich dabei genaugenommen um einen Drehbuchroman handelt. Um also mit dem im Buch zitierten Kultautor Graham Greene zu sprechen: "Das Buch war nie geschrieben, um gelesen, sondern um gesehen zu werden." Und so wurde der Zweiteiler "Mord in München" und "Verschwörung in Wien" 2017 im englischen Original unter dem Titel "Mazes" bei der British Academy of Film and Television Arts eingereicht. Dem Autor ist zu wünschen, dass daraus tatsächlich ein Film wird und er diesen noch erlebt.