Die Katholikin Teresa Frei (die ihren Namen für ihre Biografie geändert hat, um sich vor Anfeindungen zu schützen) ist eine sexuelle Dissidentin: Sie stellt sich nämlich als Lesbe gegen den LGBT-Mainstream und schildert in ihrem Buch "Frauen lieben" ihre Lebensgeschichte als eine Art Läuterungserzählung.

Dabei legt sie zunächst eine klassische Lesbenkarriere hin (um einen flapsigen Ausdruck zu gebrauchen): Aus der braven, gottesfürchtigen Ministrantin, die mit 16 Jahren ihr – sehr unangenehmes – erstes Mal mit einem nicht sehr sympathischen jungen Burschen erlebt, dessen Nachnamen sie nicht einmal kennt, wird eine selbstbewusste Frau, die sich ihrer homosexuellen Neigung bewusst wird und diese voll auslebt: untertags als Workaholic in einem typisch männlichen Job im IT-Bereich; in der Freizeit als Fußballerin (ja, am Klischee ist schon etwas dran), und daheim im Liebesrausch in regelmäßig wechselnden und einander mitunter überschneidenden Beziehungen mit anderen Frauen. Selbst eine Geschlechtsumwandlung zum Mann steht irgendwann im Raum. Ihren katholischen Glauben hat sie dabei sukzessive in der Mottenkiste vergraben und tritt konsequenterweise aus der Kirche aus.

Doch irgendwann kommt sie an einen Punkt, an dem sie für sich feststellt, dass ihr Leben im Grunde eine leere Hülle ist, und sich förmlich nach dem Tod sehnt, um ihrer sinnlosen Existenz ein Ende zu machen. Nein, es sind keine Suizidgedanken, die sie wälzt, aber es ist eine tiefe Verzweiflung, der sie anheim fällt. Die Erlösung findet sie durch eine Rückkehr in den Schoß der Mutter Kirche (inklusive Job im Kirchenbereich) und eine Abkehr von der Homosexualität, und zwar durch mehrere Schlüsselerlebnisse: eine Begegnung mit der Legion Mariens, viele weitere Gespräche mit Katholikinnen und Katholiken – und eine Vergewaltigung.

Harter Tobak für LGBT-Aktivistinnen und Linkskatholiken

Wie sie ihren Lebensweg im Rückblick beschreibt, ist durchaus harter Tobak für all jene, die mit der katholischen Lehrmeinung zur Homosexualität – die Neigung ist noch keine Sünde, sie auszuleben aber schon – hadern. Denn die Autorin schlüpft immer wieder ganz stark in die Rolle der reuigen Sünderin, die falsch gehandelt hat, weil sie es nicht besser wusste. Manche Stellen im Buch haben einen sehr erzkonservativ katholischen Anstrich. Dabei stellt sie sich die Jetzt-nicht-mehr-Lesbe auch bewusst gegen den aktuellen Gender-Mainstream, indem sie die Normalität der Mann-Frau-Beziehung als Grundlage für eine intakte Familie betont und ihre eigene überwundene Homosexualität als Irrweg abtut. Wobei sie die alte Frage aufgreift, ob eine schwule und lesbische Ausrichtung eine Krankheit, vererbt oder bloß durch äußere Umstände anerzogen ist. Zumindest in ihrem Fall ist für sie klar, dass ihre Umwelt und ihre frühen Erfahrungen sie zur Lesbe gemacht haben. Heute empfindet sie keinerlei homosexuelle Neigung mehr, scheint aber auch nicht zur Heterosexualität gefunden zu haben, sondern dürfte – vielleicht auch geprägt durch mehrere Anläufe, in ein Kloster einzutreten – in einem eher asexuellen Zwischenzustand gelandet sein, so wie sich ihre Formulierungen auf den letzten Seiten lesen.

Die geläuterte Lesbe will aber niemanden bekehren oder belehren. Ihr ist nur wichtig, auch andere Meinungen zum Thema Homosexualität gelten zu lassen als jene, die momentan dem politisch korrekten Mainstream folgen. Dass sie mit ihrem Buch anecken wird, liegt jedenfalls auf der Hand, spricht sie doch Ansichten aus, gegen die die Community jahrzehntelang angerannt ist. Es scheint aber jedenfalls falsch, als Leser (zumal als eindeutig heterosexueller) eine Bewertung ihres Buches zu versuchen. Für die Autorin dürfte ihr Leben so, wie es jetzt ist, absolut richtig sein. Und vielleicht hilft ihre Biografie ja tatsächlich auch manchen in ihrer Ausrichtung unschlüssigen Homosexuellen, während sie andere womöglich verstört oder nur weiter verunsichert. Dass sie Gott und der Kirche auf den 261 Seiten so breiten Raum einräumt, gehört übrigens zwar untrennbar zu ihrer Lebensgeschichte dazu, es ist aber nicht ausgeschlossen, dass auch nichtkatholische oder gar nicht gläubige Leserinnen und Leser viele Stellen im Buch finden, die sie ansprechen, weil sie auch ohne den Glaubensrahmen für sie funktionieren könnten.