Hexe Megg, Kater Mogg und Eule - das sind die Protagonisten einer Comicserie des tasmanischen Zeichners Simon Hanselmann (geb. 1981), die in der Independent-Comic-Szene längst Kult sind.

Simon Hanselmann verarbeitet menschliche Abgründe mit farbenfrohen Fabelwesen.
Simon Hanselmann verarbeitet menschliche Abgründe mit farbenfrohen Fabelwesen.

Eine Frau mit giftgrüner Hautfarbe, orangenem Haar und schwarzem Hexenhut, das Alter Ego des Autors, der als Crossdresser auch gern eine Perücke mit langen rötlichen Haaren trägt: Den einzigen Hexenzauber, den Megg abgesehen von ihrem weiblichen Zauber ausübt, ist die Zubereitung von Drogenmischungen für den Hausgebrauch. Mogg, ein anthropomorpher Kater, und Megg sind ein Pärchen und leben mit Eule, halb Mensch, halb Vogel, in einer WG.

Eine Reihe anderer Figuren, darunter Werwolf Jones, Zauberer Mike oder Booger, eine Frau, deren Hautstruktur an einen Tarnanzug erinnert, gesellt sich im Lauf der Episoden zu ihnen. Hexe und Kater sind hauptsächlich auf ihrem Sofa sitzend zu sehen, vor ihnen ein Tischchen mit Alkoholflaschen und Geräten für den Drogenkonsum. Zwischendurch gibt es Picknickausflüge oder Partybesuche. Lediglich Eule müht sich mit einem Job in einem Callcenter ab.

Die schräge Zusammensetzung der farbenfroh kolorierten Gestalten steckt voller theatraler Effekte. Das liegt auch daran, dass die Figuren wie gewöhnliche Menschen agieren. Ein trockener Humor, der sich in einer bis in die Gesichtszüge präzisen Situationskomik offenbart, treibt die Episoden voran. Doch der Witz erweist sich auch als Lockmittel, denn im nächsten Augenblick stößt er vor den Kopf. Es sind die kleinen Gemeinheiten, die sich steigern bis hin zu Grobheiten oder gar sadistischen Bosheiten, die zwischen den Figuren ausgetauscht werden. Vor allem ist es Eule, der in diesem lebensnahen gruppendynamischen Spiel bis hin zur Demütigung das meiste abkriegt. Kompromisslos, ohne Rücksichten auf die Leser, sieht der Autor dem Treiben seiner Figuren zu. "Ich beschreibe nur, was ich sehe, und was ich erfahren habe. Ich versuche nicht, absichtlich zu übertreiben. Ich zensiere mich nicht selbst. Du musst ehrlich bleiben."

Hinter den scheinbar surrealen Begebenheiten schält sich ein aufmerksam beobachteter Realismus heraus. Schonungslos zeichnet Hanselmann die desolate Situation von Kiffern und Drogenabhängigen auf, die er selbst seit seiner Kindheit bis ins Detail kennenlernen musste. Explosive Exzesse, klägliche Zusammenbrüche, Langeweile, Einsamkeit, Hilflosigkeit, absurde Mutproben und abgründige Depressionen wechseln im Kreislauf der Abhängigkeit. Nicht nur in der stets witzigen Darstellung von Chaos, Dreckslöchern und schleimigem Dreck aller Art zeigt Hanselmann eine hohe Fertigkeit, unterschiedliche Formen von Sexualitäten werden mit einer Leichtigkeit durchgespielt. Zum Eindrücklichsten gehören allerdings die Passagen über Depression und Verzweiflung wie ihre Überlappungen mit halluzinogenen und psychedelischen Zuständen. Plötzlich wechselt die Perspektive ins Subjektive, die Farben verschwimmen, die Konturen lösen sich auf, im äußersten Fall in eine Ursuppe aus schwarzer Tinte.