Eigentlich wollte der Familienvater und Hundehalter in Moritz Matthies neuer Kurzgeschichtensammlung sein Buch "Hallo, Walter" nennen - aber da hat er die Rechnung ohne seinen Labrador gemacht. Denn "Guten Morgen, Miss Happy" ist definitiv der bessere Buchtitel, befindet die gleichnamige Hündin, und nein, ganz sicher sieht man dann nicht das G'fries von Walter auf dem Cover, sondern ihr treuherziges Hundeg'schau. Mit dieser Anekdote über die Entstehung des vorliegenden Buches beginnt ebenselbiges. Und in der Tonart geht es dann auch in den anderen Kapiteln munter weiter: Die Labrador-Dame Miss Happy entdeckt stets neue menschliche Eigenheiten, die sie hinterfragt und ihrem Herrl an den Kopf wirft, das meist irgendwann einsieht, dass der Hund irgendwie schon auch recht hat. Und so sind Moritz Matthies' Hundegeschichten nicht nur zart lustig, sondern auch voller Weisheiten.

Seine sprechende Hündin (die übrigens nur sein Protagonist Walter versteht, und Miss Happy bittet darum, bloß niemandem zu verraten, dass in Wahrheit alle Hunde sprechen können) dient dem Autor als Vehikel, um verschiedenste Gedanken über gesellschaftliche Konventionen, den Umgang mit neuen Technologien, Politik und vieles mehr zu wälzen. Gekonnt lässt er Miss Happy jeweils die Position des kritischen Geistes einnehmen, während Walter für das Establishment steht, dass sich mitunter in seinen eigenen Erklärungen verhaspelt. Das ist manchmal einfach nur zum Schmunzeln und unterhaltsam, mitunter regt es aber tatsächlich auch den Leser an, eigene Gewohnheiten und Einstellungen zu hinterfragen. Sie ist halt schon ein kluger Hund, die Miss Happy.

Moritz Matthies: Guten Morgen, Miss Happy
Rowohlt; 253 Seiten; 12,40 Euro