Freddie ist elf, bald zwölf. Und sein bester Freund ist sein Klassen- und Fußballvereinskollege Mattis, der eigentlich immer irgendwelchen Mist baut, vor allem in der Schule. Und weil Mattis so knapp vor dem Schulverweis steht, hat es sich Freddie - ohne es vielleicht selbst so zu sehen - zur Aufgabe gemacht, Mattis vor sich selbst zu schützen. Das geht allerdings bis zur Selbstaufopferung, und irgendwann eskaliert die Sache, und Freddie ist plötzlich nicht mehr bloß ein Mitläufer und -schweiger, sondern bekommt selbst mächtig Ärger.

Aber keine Sorge, alles in einem vergleichsweise harmlosen Rahmen (es geht nur darum, einen Mitschüler zu bestechen, damit er beim Fußballturnier mit seinem Team verliert). Und auch der sonstige Blödsinn, den Mattis anstellt und Freddie so gut es geht verhindert oder ausbügelt, ist halb so wild - wir sprechen hier von Elf- beziehungsweise Zwölfjährigen.

Dank Anke Stellings Erzählton wirken die Schul- und Freizeitabenteuer von Freddie und Mattis aber recht spektakulär und aufregend. Und man fragt sich öfter, was Mattis wohl als nächstes aushecken wird. Wobei ihm vieles eher nebenbei passieren dürfte, aus Unbedachtheit oder schlichter Ignboranz seinem Umfeld gegenüber. Und irgendwie mag sogar Freddies Mutter Mattis, obwohl ihr durchaus klar sein dürfte, was für einen Rabauken ihr Sohn da als besten Freund hat. Und Freddie selbst? Der denkt eigentlich keine Sekunde über seine Rolle in dem Ganzen nach.

Das tut dafür umso mehr die Erzählerin, die in "Freddie und die Bändigung des Bösen"  die Welt der Schüler von heute mit all ihren Sorgen und Problemen vor ihren Lesern ausbreitet. Wobei zwischendurch nicht ganz klar ist, wer diese Leser eigentlich sind: Wendet sich Anke Stelling vielleicht doch eher an die Eltern und versucht ihnen ihre eigenen Kinder zu erklären? Obwohl, von der Sprache her ist es dann doch wieder ein absolut zielgruppengerechtes Jugendbuch, in dem sich eher junge Leser wiederfinden dürften. Und das durchaus auch moralisiert, aber in einer so direkten Art, dass es schon wieder erfrischend ist. Die Autorin rüffelt ihre Protagonisten nämlich ganz ordentlich und reibt ihren Lesern recht fest unter die Nase, was ihr an Mattis und seinem Gehabe nicht passt. Und doch lässt sie ihn nicht wie den letzten Asozialen dastehen, sondern schafft auch ein bisschen Verständnis für ihn - obwohl er im Gegensatz zu Freddie keine geschiedenen Eltern hat, sondern eine intakte, liebevolle Familie.

Am Ende hat man jedenfalls nicht nur ein spannendes Schülerabenteuer gelesen (in dem auch die langweiligen Aspekte des Schülerdaseins vorkommen, die - wie die Autorin betont - zum Leben einfach auch dazugehören), sondern auch ein bisschen was mitgenommen. Denn jeder und jede kennt sicher auch so einen Mattis und so einen Freddie - oder ist womöglich selbst eine/r . . .

Anke Stelling: Freddie und die Bändigung des Bösen 
cbj; 256 Seiten; ab 11 Jahren; 13,40 Euro