Als ihre Mutter gestorben ist, macht sich die junge Kunststudentin Alice im Oktober 1930 von Wien auf nach Berlin, wo ihre beiden Onkel und ihre Großmutter leben. Sie sucht einerseits Anschluss an die allzu lange nicht gesehene Familie und andererseits Antworten. Denn bis zur ersten Begegnung mit Großmutter Helena war ihr rätselhaft, warum die Mutter den Kontakt so lange gemieden hat – oder war es umgekehrt? Offenbar hat Helena ihre Tochter verstoßen, und auch Alice ist nicht zunächst willkommen, als sie bei ihrer Großmutter vorstellig wird. Aber zum Glück ist da ihr Onkel Johann, der sie sofort mit offenen Armen aufnimmt und davon überzeugt, trotz Helenas offener Ablehnung und deren immer wieder neu eskalierenden offenen Konflikts mit ihrer Schwiegertochter Rosa, die mit seinem hilflos dabei zusehenden Bruder Ludwig kinderlos verheiratet ist, in Berlin zu bleiben und im Haus der Tante zu wohnen.

Der wichtigste Grund dafür ist allerdings John, ein junger Ire, dem Alice begegnet. Er arbeitet für Onkel Johann und führt Alice in die Hauptstadt ein – und erobert bald ihr Herz, wobei ihre Liebe zunächst denkbar unschuldig ist. Man ist ja auch im Berlin der 1930er, wo eine gewisse Prüderie herrscht, auch wenn Johann sein Geld mit einer zwielichtigen Bar und Hunderennen verdient. Und mit der Kunstgalerie, die schon lange Familieneigentum ist, aber seit Jahren brachliegt – bis Alice, die in Berlin ihre Liebe zur Fotografie auslebt und in die Kunstwelt eintaucht, ihre Verwandten davon überzeugt, sie gegen den Widerstand von Großmutter Helena wieder zu eröffnen. Schließlich ist die Kunstsammlung spektakulär.

Allerdings ist das alles nicht so einfach. Denn die junge Liebe zwischen Alice und John wird auf harte Proben gestellt, und der Aufstieg der Nazis, denen sie als Fotografin auf der Straße mehrmals hautnah begegnet, überschattet das gesamte Leben in Berlin – und damit auch das Kunstgeschäft.

Alexandra Cedrino zeichnet ein fiktives, aber dennoch authentisches Bild einer Elitenfamilie der Jahre 1930 bis 1933 in Berlin. Und einer jungen Frau, die ihren eigenen Weg sucht und findet, auch wenn er hin und wieder in Sackgassen führt. Und der noch lange nicht am Ende angelangt ist, denn "Die Galerie am Potsdamer Platz" ist erst der Auftakt zu einer Trilogie. Ein Detail dazu ist noch interessant: Der Großvater der Autorin war niemand anderer als der Berliner Kunsthändler Wolfgang Gurlitt.