Ein Blick auf David Yoons Autorenprofil legt nahe, dass er bei den Recherchen für seinen Debütroman "Frankly in Love" nicht allzu tief graben musste (was nicht negativ gemeint ist!). Es ist die wirklich großartig erzählte Geschichte um zwei junge koreanisch-stämmige Kalifornier, die unter dem Nationalismus ihrer befreundeten Familien im Exil leiden, sprich: Franks Eltern haben ihre ältere Tochter verstoßen, weil sie sich statt in einen Koreaner in einen Schwarzen verliebt hat. Und weil Frank sich im letzten Highschool-Jahr in die weiße Brit verliebt, beginnt er mit Joy aus der koreanischen Community eine Alibi-Beziehung: Offiziell ist er mit Joy zusammen, im Geheimen datet er Brit, während sich Joy mit einem jungen Chinesen (für Koreaner fast noch schlimmer) trifft.

- © (c) Verlagsgruppe Random House GmbH, Muenchen
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Dass dieses absurde Konstrukt auf Dauer nicht gutgehen kann, liegt eigentlich auf der Hand. Aber es ist eine riesengroße Portion Verzweiflung im Spiel. Autor David Yoon baut auf dieser Basis eine moderne Liebesgeschichte auf, die es locker mit "Romeo und Julia" aufnehmen kann und nicht nur viele spannende Situationen bereithält, sondern mehrere überraschende Wendungen nimmt. Es wird romantisch. Es wird dramatisch. Und es wird auch tragisch. Das alles wohl dosiert und so konstruiert, dass zwischendurch auch genügend Raum für übergeordnete Reflexionen über Minderheiten, Rassismus, Nationalismus, (vermeintliche) Traditionen und Vorurteile bleibt. Einfach lesenswert.

David Yoon: Frankly in Love
cbj; 496 Seiten; ab 15 Jahren; 19,60 Euro