Der Impuls, dem Konventionellen, Eingefahrenen und Allbekannten zu entkommen, ist eine der nobelsten Impulse in der Kunst. Für die Literatur heute bedeutet das, dem Paradigma Roman zu entkommen. Bücher, die dergleichen versuchen, sind immer eine Provokation für den Leser. Was hier als Positivum gemeint ist, denn der neue Band des umtriebigen Wiener Schriftstellers und Filmwissenschafters Thomas Ballhausen ist so ein Buch, das neue Formen des poetischen Sprechens und literarischen Schreibens auszuschreiten versucht.

"Das Mädchen Parzival" ist ein bestechender Hybrid aus unterschiedlichsten Diskursformen: von balladesker Lyrik bis zu dichter Prosalyrik und poetischem Essay. Hinzu kommen die visuellen Arbeiten des Künstlers Chris Saupper, durch die Wort und Bild in einen Dialog treten. Der Titel gibt das Programm vor: Ballhausen unternimmt ein freches, zeitgemäßes Neu-Erzählen des mittelalterlichen Parzival-Stoffes. Das Resultat lässt aufhorchen bzw. -sehen, denn bei dieser poetischen Kontrafaktur sprühen die literarischen Funken.