Jedes Jahr in der Kaltwoche verschwindet ein Kind aus dem Fischerdorf Colm, dessen Einwohner diese Tatsache irgendwie einfach hinnehmen. Die Kinder werden offenbar von grausigen Wesen ins Meer verschleppt, dagegen sind sie machtlos. Doch als nach dem Besuch eines geheimnisvollen Fremden in diesem Jahr gleich zwei verschwinden und einer davon ihr kleiner Bruder Tobin ist, reicht es Edda: Die 16-Jährige, die im Dorf eine Außenseiterin ist, weil sie nicht von dort stammt und gemeinsam mit Tobin von einem alleinstehenden Fischer adoptiert wurde, macht sich auf die Suche und dringt dabei in eine geheimnisvolle Inselwelt vor, die Colms Fischer bisher gemieden haben, aus Furcht vor dem, was sie dort erwarten könnte.

Die Rede ist von einem geheimnisvollen Krähenkönig, der sich angeblich die Kinder geholt haben soll. Auf ihrer Suche, die bald zur Odyssee wird, trifft Edda alle möglichen und unmöglichen Wesen. Katharina Hartwell hat mit sichtlicher Freude eine bunte Fantasy-Welt erschaffen, die in den beiden Bänden, die sie erst noch schreiben muss, sicher noch mehr geheimnisvolle Wesen bereithält. Und mittendrin eine starke junge Frau, die nicht nur ihren Bruder sucht, sondern auch sich selbst. Es geht auch um die alte Frage nach der eigenen Identität, nach Zugehörigkeit und Toleranz. Das Ganze erzählt in einer bildgewaltigen Sprache, die zu diesem Epos passt..

 Katharina Hartwell: Die Silbermeer Saga - der König der Krähen
Loewe; 612 Seiten; ab 14 Jahren; 20,60 Euro

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