Diese Stimme fehlt. Sie fehlt entschiedener denn je, sie fehlt in ihrer Klugheit und ihrer sprachlichen Treffsicherheit, ihre florettartige Ironie fehlt. Es ist die Stimme des Italieners und Wahl-Portugiesen Antonio Tabucchi, der im März 2012 im Alter von 68 Jahren in Lissabon starb.

Tabucchi war ein rarer Fall: ein sehr belesener Hochschullehrer, der seine Bildung nicht anmaßend ausstellte, ein graziöser Autor, der nie ins eitle Tänzeln geriet. Und der die Streifzüge der Imagination kunstvoll durch das Labyrinth von Literatur und Leben navigierte. Dieser letzte zu Lebzeiten erschienene Band vereint verstreut erschienene kürzere Prosa, die stets ihren Ausgang bei bildender Kunst nimmt, bei einzelnen Künstlern und Kunstwerken. Nie prätentiös, vielmehr ganz leicht, geistreich, von suggestiver Intelligenz.

Antonio Tabucchi schrieb einmal: "Für einen Schriftsteller, aber auch für den Leser, endet ein Buch nie an seinem Ende." Zum Glück für Tabucchi-Leser.