Es schlägt die Stunde der mündlichen Erzähler: Schon in Boccacccios Novellensammlung "Decamerone" aus dem 14. Jahrhundert vertrieben sich die Leute die Langeweile mit Geschichten - das strikte Ausgehverbot war damals der Pest geschuldet. Heute versammeln wir uns vorm elektronischen Lagerfeuer. Es gibt eine Reihe von Initiativen, die mit Geschichten Mut machen wollen und das kulturelle Vakuum zu füllen und nicht zuletzt auch den Verdienstentgang der freiberuflichen Erzähler abzufangen.

Am 20. März, dem Weltgeschichtentag, wird alljährlich auf der ganzen Welt das mündliche Erzählen gefeiert. Der Verband der deutschsprachigen Erzähler hat heuer eine  Soundcloud eingerichtet, auf der man ab 20. März 2020 den Erzählungen zum diesjährigen Weltgeschichtentagsthema "Reisen" online zuhören kann,

Der Verein Erzähler ohne Grenzen, der sich um Menschen in Krisensituationen kümmert, postet auf seiner Facebook-Seite Geschichten, die den Menschen in Zeiten von Corona Mut machen sollen.

Darüber hinaus haben einzelne Erzähler Initiativen gestartet. So postet der Schweizer Erzähler, Festivalleiter und Kindergärtner Jürg Steigmeier auf seiner Facebook-Seite täglich eine Geschichte auf Hochdeutsch und Schwyzerdütsch sowie ein Bild zum Ausmalen, um den Kindern den Quarantäne-Hausarrest zu erleichtern. Und die in München lebende Vorarlberger Erzählerin Katharina Ritter erzählt am Weltgeschichtentag Interessenierten Geschichten am Telefon (+49(0)89-526649)

2020 findet das alljährliche Treffen der deutschsprachigen Erzähler übrigens in Österreich statt, von 26. bis 28. Juni in Grünau im Almtal, und zwar mit einem Jubiläum: Dank der Initiative des Erzählers Helmut Wittmann ist das Märchenerzählen 2010 in die österreichische Liste des immateriellen UNESCO Welterbes aufgenommen worden. Das wird im Rahmen des Treffens mit einer Erzähl-Gala auch gefeiert.