Justament. Vielleicht ist es auch nur Dummheit, gepaart mit Rücksichtslosigkeit möglicherweise. Eine Kombination, die schon immer schlimme Ergebnisse gezeitigt hat.

Vor allem aus Deutschland kommen Meldungen über Corona-Partys. In Deutschland sind derzeit Treffen von mehr als zwei Menschen untersagt. Dennoch sollen zumindest in Berlin noch bis vor wenigen Tagen illegal aufgesperrt haben, und manch einer kann offenbar ohne Party nicht leben, auch nicht in Österreich: Aus Linz ist der Fall einer Party in einem Studentenwohnheim bekannt geworden (die Kepler-Uni prüft Sanktionen), und nun feierte in Heiligenkreuz ein FPÖ-Politiker mit. Ja, gewiss, es waren in diesem Fall nur vier Männer beteiligt und nicht sechsundzwanzig Studenten, wie in dem Linzer Wohnheim. Dennoch: Die Vorbildwirkung ist fatal.

Edgar Allan Poe veröffentlichte seine Erzählung "Die Maske des Roten Todes" im Jahr 1842. - © Wikimedia
Edgar Allan Poe veröffentlichte seine Erzählung "Die Maske des Roten Todes" im Jahr 1842. - © Wikimedia

In Stunden der Bedrängnis mit Feiern das Dasein versüßen, sich ablenken, vielleicht auch, aus einer falschen Überlegung heraus, sich mit voller Absicht dem Leben zuwenden, um Krankheit und Tod zu trotzen: Wer hat nicht schon daran gedacht? Dennoch ist dringend davon abzuraten.

Zum Beispiel hätte Prinz Prospero beste Voraussetzungen gehabt, die Pest zu überleben. Tatsächlich liest sich Edgar Allan Poes Erzählung wie eine Warnung vor Partys in Corona-Zeiten.

Eigene Erfahrungen

Der US-amerikanische Dichter und Schriftsteller hat die Geschichte 1842 in Graham’s Magazine veröffentlicht, dessen New Yorker Redaktion er ein Jahr lang als Chefredakteur geleitet hatte. Von 1826 bis 1837 grassierte, ausgehend von Indonesien, eine Cholera-Pandemie, die Asien, Europa und Amerika erreichte. Im deutschsprachigen Raum war ihr bekanntestes Opfer der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Poe war 1831, im Alter von 22 Jahren, Zeuge des Cholera-Ausbruchs in Baltimore geworden. Die dabei gewonnen Eindrücke waren eine Grundlage seiner Erzählung.

Die andere war Thomas Campbells "Life of Petrarch". Poe hatte das Buch 1841 rezensiert und, möglicherweise in seiner Kenntnis der Auswirkungen einer Seuche, den Verfasser gerügt, die Pest unangemessen dargestellt zu haben.
Worum geht es nun in Poes Erzählung? – Lässt man alles das für Poe charakteristische Beiwerk weg, handelt die Geschichte von dem besagten Prinzen Prospero, der während des Roten Todes, einer hoch ansteckenden Seuche, in seinem Domizil ein dekadentes Maskenfest feiert. Schlag zwölf erscheint der letzte Gast. Er verweigert die Demaskierung. Schließlich zwingt Prospero ihn dazu: Es ist der Rote Tod selbst, der nun alle Gäste infiziert.

Der "Rote Tod" ist eine Erfindung Poes. Der Schilderung nach handelt es sich um eine Art hämorrhagisches Fieber. Poe war von Blutungen traumatisiert, da seine Mutter und seine Ziehmutter an Tuberkulose starben, und auch seine Frau an Blutstürzen litt, die von dieser Krankheit verursacht werden.

Als Parabel für die Gegenwart kann die Erzählung dienen, weil Poe in ihr das selbstsüchtige Verhalten in einer Zeit der Krise zeigt. Prosperos Vergehen besteht darin, die Realität zu leugnen. Statt sich der Krise anzupassen, schließt er die Augen und führt sein Leben weiter, ohne sich um die Folgen seiner Handlungsweise zu kümmern. Dass Prosperos Rücksichtslosigkeit letzten Endes den Untergang seiner eigenen Umgebung und seiner selbst herbeiführt, lässt sich nahezu als eine Warnung Poes für die Menschen in unserer Gegenwart lesen, die immer noch nicht die Notwendigkeiten begriffen haben oder begreifen wollen.