"Wie lange brauchst du noch?" Diese Frage steht am Beginn des neuen Buches von Katja Gehrmann und Constanze Spengler, in dem Mikas Vater daheim im Homeoffice noch schnell was ganz Wichtiges erledigen kann, bevor er hoffentlich Zeit fürs Kind hat, das so gerne zum Badesee gehen möchte. Aber die Arbeit zieht sich natürlich, und Mika. nicht alleine im Haus, aber halt ohne Aufsicht, verschafft sich selbst Abhilfe. Mit dem Segen des Vaters, der eindeutig mit dem Kopf irgendwo anders ist, nur nicht daheim - und die Erlaubnis gibt, ein Haustier zu besorgen. Zum Glück ist gleich ums Eck ein Zoogeschäft.

Also kommt eine Maus ins Haus, soweit so gut. Doch dann findet Mika die Maus nach dem Versteckspielen nicht mehr - und holt sich (erneut mit dem gedankenabwesenden Segen des Vaters) einen Hund, der die Maus finden soll. Und weil der Hund am Klo danebenmacht (was auch sonst?), muss ein Seehund her, der aufs Badezimmer aufpasst. Mit dem kann man auch super in der Badewanne schwimmen. Ja, bloß die Maus kann es nicht, also muss ein Schwimmlehrer her. Und weil die Seepferdchen ausverkauft sind (womit wir beim Buchtitel wären), kauft Mika einen Brillenpinguin. Der wiederum sehnt sich nach anderen Vögeln, weshalb ein Papagei dazukommt. Ein sprechender noch dazu, der allerdings Schimpfwörter krächzt. Und der geschäftstüchtige Tierhändler schwatzt Mika auch noch einen kleinen Elefanten auf, der den Papagei übertönen soll.

Es könnte noch ewig so weitergehen, wenn nicht Mikas Papa doch noch fertig würde mit seiner Arbeit und jetzt endlich Zeit fürs Kind hätte. Natürlich schaut er ganz schön blöd angesichts der vielen Tiere am Frühstückstisch. Wie das Ganze für Mika, die Maus, den Hund, den Seehund, den Brillenpinguin, den Papagei und den Elefanten ausgeht? Na, gut natürlich! Sonst wäre es ja kein Kinderbuch. Noch dazu ein so charmantes. Vor allem Mikas naive Logikketten ziehen den Leser rasch in ihren Bann. Und so absurd der ganze Plot auch ist, so unterhaltsam ist er. Noch dazu in einfachen, kurzen Sätzen geschrieben und mit sehr großen, bunten Bildern liebevoll illustriert. Und wer es zulässt, bekommt als Erwachsener im Homeoffice auch noch die volle Dröhnung schlechtes Gewissen draufgeklatscht. Also, das nächste Mal, wenn Sie Ihr Kind wieder einmal abkanzeln, weil Sie so viel zu tun haben, atmen Sie kurz durch und nehmen Sie "Seepferdchen sind ausverkauft" zur Hand um sich daran zu erinnern, wie man es nicht macht. Obwohl, wenn man es genauer betrachtet: Wer hätte nicht gerne einen Elefanten daheim, den man zum Badesee mitnehmen kann?