Marion Messina gilt manchen als literarische Nachfolgerin von Michel Houellebecq. - © Le Dilettante
Marion Messina gilt manchen als literarische Nachfolgerin von Michel Houellebecq. - © Le Dilettante

Alejandro kommt aus Kolumbien nach Grenoble, um Literatur zu studieren. Die Nullerjahre gehen zu Ende, auf den Restaurantterrassen prosten sich die Menschen zu, während sie sich über die Krise unterhalten, die die Zeitungen füllt, an der Staatsspitze geißelt Nicolas Sarkozy das System, das er kurz davor im Wahlkampf noch gelobt hat. "In diesem versifften und apokalyptischen Umfeld, inmitten von Tratsch und hohlen politischen Einschätzungen begann Alejandro seine Tage mit leerem Bauch und vollen Hoden."

Daneben kämpft sich Aurélie ihren Weg durch den Dschungel der Hochschulwelt. "Das Schul- und Hochschulsystem förderte den Aufstieg mäßig kompetenter Personen auf Kosten der Superkompetenten oder der Totalversager." Sie erlebt die Studiengesellschaft als oberflächliche hedonistische Saufgesellschaft, ständig damit beschäftigt, sich mit herausgestreckter Zunge selbst zu fotografieren.

Dass sich Alejandro und Aurélie treffen und lieben, liegt auf der Hand. Dass sie sich trennen und wiedersehen, ebenfalls. Überhaupt liegt etwas zu viel auf der Hand in diesem Erstlingsroman von Marion Messina, die zeigt, dass sie gelernt hat, wie man in versiffter Umgebung Gesellschaftskritik übt. Doch es wirkt eben genau so: gelernt. Sie beschreibt Alejandros Wohnung als kleines, aber sympathisches Loch, in dem die Matratze selbstverständlich direkt am Boden liegt und ranziges Geschirr herumsteht. Und, wie sollte es anders sein: Aurélie "fühlte sich in dieser etwas heruntergekommenen Umgebung wohl". Ebenso klar, dass die beiden "wenig, aber über wichtige Dinge" sprechen.

Das atemlose Um-sich-Schlagen wirkt gezwungen, die Autorin verwendet gerne Schubladisierungen wie: "Er gehörte zu der Sorte Menschen" und fragwürdige Formulierungen, die wohl als lässiger Stil verstanden werden wollen, etwa "was für ein Privileg es war, zum Start in einen jeden Tag die Schamhaare in den Waschbecken der Studentenzimmer einzusammeln".

Das Buch will dreckig sein um des Drecks willen. Hätten es stinknormale Haare im Waschbecken nicht auch getan? Zwischendurch merkt die Autorin selbst, dass sie in Floskeln spricht, etwa wenn sie Alejandros Freunde beschreibt: "Es war ein Klischee, und sie hasste Klischees, aber es war ein warmherziges Volk." Der Jubel, den das Buch in Frankreich ausgelöst hat, ist zwar ob seiner Gesellschaftskritik nachvollziehbar. Ein Vergleich mit Michel Houellebecq ist allerdings weit überzogen.